The Closer. Krimiserien sind so beliebt wie lange nicht mehr. Das Genre boomt und Serien wie CSI fahren Topquoten ein. Ein guter Nährboden also für “The Closer”. Die US-Serie startet am Mittwoch auf Vox und kehrt dabei zum klassischen Krimi-Genre zurück. Die Macher setzen jedoch auch auf Seifenoper-Elemente und schaffen dabei eine gelungene Mischung.
Krimis haben Hochkonjunktur. Pathologen, Anthropologen oder Profiler – sie übervölkern die Fernsehlandschaft. Wenig verwunderlich also, dass VOX den durch den Verlust von CSI an RTL frei gewordenen Programmplatz wiederum mit einem Krimi füllt – man geht mit “The Closer” an den Start. “Closer” sind Leute, die Fälle zum Abschluss bringen – in der Regel also Geständnisse beibringen, die direkt zu einer Verurteilung führen. Wieder also eine Serie aus dem boomenden Krimi-Genre.
Rückkehr zum klassischen Krimi-Genre
| Info-Box “The Closer” | |
| Dep. Chief Brenda Johnson | Kyra Sedgwick |
| Ass. Chief Will Pope | J. K. Simmons |
| Sgt. David Gabriel | Corey Reynolds |
| Cpt. Taylor | Robert Gosset |
| Det. Lt. Provenza | G. W. Bailey |
| Det. Andy Flinn | Anthony J. Denison |
| Det. Mike Tao | Michael P. Chan |
| Agent Fritz Howard | John Tenney |
| Executive Producer / Creator | James Duff |
| Executive Producer | Michael M. Robin |
| Executive Producer | Greer Shepard |
| Musik | James S. Levine |
| “Passende Serien” | Crossing Jordan,Criminal Intent,Boston Legal |
Doch “The Closer” ist anders als seine prominenten Vorreiter wie CSI oder Bones. Es ist vielmehr eine Krimiserie alter Schule, die in einer Mordkommission und nicht im Leichenschauhaus oder einem Labor angesiedelt ist. Und es ist eine Serie über eine Frau, die sich in einem Männerumfeld durchsetzen muss. Eine Frau, noch dazu eine aus einer fremden Stadt, die sich nicht vor Ort hochdienen konnte, hat es in der sehr testosteronhaltigen Luft des Los Angeles Police Departement ziemlich schwer, wie Deputy Chief Brenda Johnson (Kyra Sedgwick) alsbald fest stellen muss. Sie soll dort die “Priority Murder Squad”, eine Art Sonderkommission für Fälle mit Prominenten, leiten, was dann auf den neuen Schreibblöcken ausgerechnet mit “PMS” abgekürzt wird, was hauptsächlich als Abkürzung für “Prämenstruelles Syndrom” verwendet wird.
Insbesondere ihr Vorgänger, Commander Taylor, dem die Autoren bisher keinen Vornamen gegönnt haben, versucht als jetziger Leiter der “normalen” Mordkommission permanent, “der Neuen” Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Dabei macht es ihre Lage nicht unbedingt einfacher, dass sie mit ihrem Vorgesetzten, Assistant Chief Will Pope, eine gemeinsame Vergangenheit hat – man war sich, als man vor einiger Zeit in Washington zusammen gearbeitet hatte, auch privat näher gekommen.
Aus diesen Spannungsverhältnissen zieht die Serie dann auch ihre größte Stärke: Die Interaktion zwischen den verschiedenen Charakteren. So zeigen sich die Mitglieder ihrer Gruppe sehr loyal gegenüber ihrem Vorgänger und beantragen kollektiv die Versetzung in dessen Dezernat – und so merkt Brenda Johnson aus früherer Erfahrung bereits an Mimik und Gestik ihres Vorgesetzten, wenn dieser wieder einmal ein doppeltes Spiel spielt.
Der Fall steht nicht immer im Mittelpunkt
Der Fall im Pilotfilm ist sehr einfach gestrickt. Schon frühzeitig kann ihn der geübte Krimizuschauer lösen, während Brenda Johnson immer noch im Dunkeln tappt. Das hinterlässt einen schalen Nachgeschmack und könnte den Eindruck erwecken, der Fall selbst sei das Unwichtigste und das derzeit populäre Krimi-Genre würde hier nur als Vehikel benutzt, um eine eigentlich ganz anders zu verortende Serie zum Erfolg zu führen.
Doch schon die zweite Folge von “The Closer” nimmt einem diese Befürchtung, hier weiß auch der Kriminalfall zu überzeugen. Zwar hat man diesmal – wie meist in Krimis – einen begrenzten Kreis von Verdächtigen, aber wer es nun war und warum, das errät man erst in dem Moment, in dem Brenda Johnson ihr abschließendes Verhör durchführt. All dies gelingt übrigens, ohne dass die Serie ihre schon im Pilotfilm gezeigten Stärken auf der Charakterebene verlieren würde.
Gute Einschaltquoten in den USA
In einem Umfeld von vielen Big-Budget-Produktionen wie “CSI” oder “Criminal Minds” sind die Quoten von “The Closer” bewundernswert stabil. Die Serie war auf dem US-Kabelsender TNT ein Überraschungshit und mauserte sich mit bis zu 8,3 Millionen Zuschauern zur meistgesehenen fiktionalen Show im Kabel überhaupt. Um diese Zahlen einordnen zu können, muss man wissen, dass das Kabelfernsehen in den USA nur etwa jeden zweiten Haushalt erreicht. Zum Vergleich: Bei doppelt so vielen erreichten Haushalte wie “The Closer” kommt “CSI: Miami” auf 17,5 Millionen Zuschauer.
Der Erfolg verwundert nicht, denn The Closer macht seine budgetbedingten Defizite in Spezialeffekten und (ausgefallener) Kameraführung mit anderen Qualitäten wett. Schauspielerisch gelungen, mit einem ordentlichen Schuss Dialogwitz und einer sehr guten Mischung von Krimi und Soap gelingt es der Serie, eine freie Nische zu besetzen, was zumindest in den USA die Zuschauer auch honorieren.
Parallelen zu “Crossing Jordan” und “Criminal Intent”
“The Closer” ist etwas für all die, die starke Frauencharaktere lieben – hier erinnert die Serie ein wenig an “Crossing Jordan“, ohne diese aber schlecht zu kopieren. Die Serie ist auch etwas für die Fans von Charakterentwicklungen und sie dürfte Leuten gefallen, die “schwierige” Charaktere mögen, denn es zeichnet sich ab, dass jeder einzelne Hauptcharakter als “schwieriger Mensch” gezeichnet wird. Und da die Serie wie “Criminal Intent” des Öfteren im Verhörraum ihren Höhepunkt findet, sind Zuschauer jener Serie sicher auch nicht falsch bei “The Closer”. Übrigens sollte “The Closer” gerade auch wegen des Sendeplatzes zwischen “Criminal Intent” und “Boston Legal” bei VOX ebenfalls sein Publikum finden – verdientermaßen.
The Closer läuft ab 8. November immer mittwochs um 21:15 Uhr auf VOX.
