Criminal Intent. Vox hat „CSI“ an RTL abgegeben – ab kommendem Mittwoch übernimmt nun „Criminal Intent“ den Programmplatz um 20:15 Uhr. Also eine Serie aus dem deutlich älteren und ebenfalls sehr erfolgreichen „Law & Order“-Franchise. Was für eine Serie und was für ein Franchise ist das eigentlich? Wir stellen die gar nicht so neue Quotenhoffnung vor.
Wenn in Deutschland von US-Krimiserien die Rede ist, dann liest man meist über „CSI“ und die Ableger dieser Serie. So ganz fair ist das nicht, denn die Mutter der US-Krimiserien der Neuzeit ist eigentlich „Law & Order“. 1990 (also zehn Jahre vor „CSI“) gestartet und bis heute sehr erfolgreich, hat auch „Law & Order“ zwei erfolgreiche Spin-Offs hervorgebracht – als man hingegen sogar eine vierte Serie dieses Franchises startete, erlitt man in den USA damit Schiffbruch.
Unverwüstlich: “Law & Order”
“Law & Order” begann alles andere als erfolgreich – auf CBS, nach wenigen Folgen war Schluss. Diese Folgen werden heute übrigens nirgends mehr ausgestrahlt und auch in keinem Episodenführer mitgezählt.
Als dann am 13. September 1990 auf NBC mit der Folge “Prescription For Death” (Tödliche Cocktails) der zweite Anlauf für die Serie “Law & Order” begann, ahnte wohl nicht einmal Dick Wolf, der Erfinder der Serie, dass es diese Serie auf mindestens sechzehn Staffeln bringen sollte und damit ein ganzes Franchise geboren war. Doch diese Serie erweist sich bis heute als ziemlich unverwüstlich und es erscheint aus heutiger Sicht sehr wahrscheinlich, dass sie auch “die 20″ (Staffeln) voll machen wird.
Das Konzept von “Law & Order”
“Law & Order” war in vielerlei Hinsicht für den Mainstream der USA bahnbrechend. So führte man erstmals eine Krimi- und eine Gerichtsserie zu einem Konzept zusammen und erzählt innerhalb – meist – einer Folge einen Fall von seiner Entstehung bis zum Urteil, manchmal sogar bis zum Revisionsurteil. So fasst die Polizei zwar in jeder Folge einen wahrscheinlichen Täter – dass dieser aber auch ins Gefängnis wandert, ist damit noch lange nicht gesagt – die Verurteilungsquote dürfte ungefähr bei 2/3 liegen. “Law & Order” setzte außerdem erstmals in einer Mainstreamserie auf den Einsatz von Handkameras und blendet immer wieder den aktuellen Handlungsort unterlegt vom unverwechselbaren “?Law & Order?-Trenner” ein, so dass das Gefühl einer Doku-Soap entsteht. Da viele der erzählten Geschichten zumindest auf realen Fällen basieren, ist die Serie von diesem Genre auch nicht gerade besonders weit entfernt. Die Spannung in der Serie entsteht interessanterweise vor allem im Gericht, meist ist der Moment, da die Jury ihre Entscheidung bekannt gibt, der spannendste Moment der Folge.
Stärken und Schwächen der Mutterserie
Gewöhnungsbedürftig für US-Serien ist auch der häufige Darstellerwechsel, der seltenst erklärt wird – es ist meist einfach zu einer neuen Staffel ein Neuer da. Mit der letzten Folge der zehnten Staffel nahm mit Steven Hill (als Adam Schiff) der letzte Darsteller der ersten Folge seinen Abschied – dennoch gibt es einen, der “das Gesicht” für “Law & Order” war: Jerry Orbach (“Dirty Dancing”). Ab der dritten Staffel in der Rolle des Det. Lennie Briscoe zu sehen, war er bis zu seinem krankheitsbedingten Ausscheiden nach dem Ende der 14. Staffel faktisch das Herz der Serie. Bis kurz vor seinem Tod im Dezember 2004 blieb er dem “Law & Order”-Franchise treu und trat als Gaststar im jüngsten Spross des Franchises auf. Da er bei den Dreharbeiten von seiner Krebserkrankung bereits so gezeichnet war, dass er nicht mehr richtig sprechen, sondern nur mehr flüstern konnte, schrieben die Autoren die Szenen mit ihm so um, dass “aus den Umständen heraus” geflüstert werden musste – eine Geschichte, die seinen Stellenwert für “Law & Order” sehr schön verdeutlicht.
Abwandlungen bei den Spin-Offs
Wo “CSI” auf ein bewährtes Schema mit veränderten Äußerlichkeiten (andere Stadt, anderer Farbfilter) setzt, setzen die Spin-Offs bei “Law & Order” auf sehr ähnliche Äußerlichkeiten (Titelmusik, Trenner, Tafeln, alle Serien in New York) bei grundlegend anderem Konzept. Natürlich bleibt es bei einer Detektivserie, doch nimmt in den beiden bereits in Deutschland zu sehenden Nachfolgeserien “Law & Order: Special Victims Unit” und “Law & Order: Criminal Intent” die Arbeit der Staatsanwaltschaft einen viel geringeren Raum ein als bei der Mutterserie. Die dadurch frei werdende Zeit wird im ersten Spin- Off (“SVU”), das in Deutschland unter dem selten dämlichen Titel “Law & Order: New York” läuft, durch mehr Detektivarbeit ersetzt, beim zweiten Spin-Off (“CI”, in Deutschland als “Criminal Intent: Verbrechen im Visier” zu sehen), wird dafür mehr Wert auf die Verhörszenen gelegt. Das bislang letzte Spin-Off “Trial by Jury” ging dann den umgekehrten Weg und legte den Schwerpunkt auf die Gerichtsarbeit, wurde mittlerweile aber leider wieder eingestellt.
Criminal Intent: Schauspielerisch gut, Ansätze einer durchgehenden Story
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Wenn „Criminal Intent“ seinen Höhepunkt erreicht, dann ist das in aller Regel eine Szenerie, die auch wunderbar auf einer Theaterbühne statt finden könnte. Detective Robert Goren (Vincent d’ Onofrio) verhört dann meist den Täter / die Täterin. In diesen Szenen zeigt sich dann, wie gut die Schauspieler in dieser Serie sind – vom Hauptdarstteller angefangen bis in die kleinste Nebenrolle.
Wertung
Kapitalverbrechen dreht, ist dank ihrer Schauspieler und dank der meist sehr spannenden Fälle eine durchaus gute Serie. Allerdings kommt ab und an das Gefühl auf, die Serie sei ein wenig schematisch, was die Struktur ihrer Fälle angeht. Je, nachdem, worauf man Wert legt, nutzt sich dadurch das Konzept dann nach einiger Zeit ab. Daher dürfte es die Serie auf Basis der ersten vier Staffeln schwer haben, die Lücke zu füllen, die “CSI” hinterlässt.Ab Mittwoch, 15. November zeigt VOX die fünfte Staffel mittwochs um 20:15 Uhr. Daneben gibt es Wiederholungen alter Staffeln montags um 21:10 Uhr.Lesen Sie auch die Kritik zum Start in die fünfte Staffel – ab Mittwoch hier auf u-kult.de