Kult vom ORF. Deutschsprachige Serien haben ein Qualitätsproblem, sagt man – sie sind eben oft zu actionlastig, zu kitschig oder auch zu hölzern. Dass das keineswegs so sein muss, beweist die österreichische Serie „Trautmann“, die sich mit ihrer dichten Atmosphäre und mit exzellenten Storys vor amerikanischen Produktionen nicht zu verstecken braucht.
„Trautmann“ ist ein Spin-Off der österreichischen Serie „Kaisermühlen-Blues“ (1992-1999), die als Milieustudie über das Leben in einem Gemeindebau (österreichischer sozialer Wohnungsbau) gilt. Der „Kaisermühlen-Blues“ spielte in 64 Folgen im Bezirk Kaisermühlen in Wien, in dem Ende der 1970er die „UNO-City“ (Internationales Zentrum Wien) errichtet wurde, was dem Bezirk wie der Serie ihren ganz eigenen Flair verliehen hatte. Bereits in dieser Serie hatte der von Wolfgang Böck (siehe untere Infobox) verkörperte „Trautmann“ ermittelt, der sich auch von seinen Duzfreunden beim Nachnamen rufen lässt, weil er sich für seinen Vornamen („Polycarp“) schämt.
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Als der „Kaisermühlen-Blues“ 1999 eingestellt wurde, ergab sich daraus als Spin-Off „Trautmann“, ebenso wie ihre Vorgängerserie von Ernst Hinterberger (siehe untere Infobox) geschrieben. Zum Glück wurde die Mutlosigkeit der ARD der Serie nicht zum Verhängnis, denn sie bietet Krimistoff vom Feinsten. Die erzählten Geschichten sind exzellent und von der ersten bis zur letzten Minute atemberaubend spannend – doch nicht nur diese:
Was „Trautmann“ zu allererst von Vielem abhebt, was ansonsten an Eigenproduktionen im deutschsprachigen Fernsehen zu sehen ist, sind in erster Linie die Schauspieler. Mit ihrem beeindruckenden, doch unaufdringlichem Spiel geben diese der Serie eine Intensität, die beim Zuschauer sofort einen viel höheren Aufmerksamkeitsgrad hervor ruft als Vieles andere, das man im deutschen Fernsehen ansonsten zu sehen bekommt.
Auch die musikalische Untermalung der Szenen genügt höheren Ansprüchen. Meist sparsam und dezent eingesetzt hebt sie sich auch in ihrem Stil von den 1980er-Standards ab, die heute leider in vielen deutschsprachigen Serien (wie „Ein Fall für Zwei“ oder „SOKO 5113“) noch üblich sind. Nicht zuletzt in Verbindung mit einer Bildsprache, wie man sie ansonsten vielleicht von „Cold Case“ kennt, entsteht dadurch bei „Trautmann“ eine sehr dichte Atmosphäre – meist eine der düstereren Art.
Diese düstere Art wird natürlich insbesondere vom Hauptcharakter geprägt, dessen Frau ihn ob seiner zahlreichen Überstunden schon vor einigen Jahren verlassen hatte. Damit nicht genug, denn als nun alleinerziehender Vater hatte er kläglich versagt – seine Tochter war an einer Übderdosis Heroin gestorben und ihre Sucht hatte er vor lauter Dienstbeflissenheit nicht bemerkt. Hier dürfte der Grund dafür liegen, dass die Figur „Trautmann“ wenig Wert auf ihr Äußeres legt.
Im Vorspann werden dem Zuschauer die drei Dinge nahegebracht, an die Trautmann glaubt:
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Niemand erzählt einem Kieberer (Polizist) die ganze Wahrheit
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Vorschriften gelten nur dann, wenn alles normal läuft. Doch wann läuft beim Verbrechen schon alles normal?
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Die Dienstwaffe ist nur dazu da, um einzuschüchtern. Ich habe sie noch nie benutzt und ich werde sie auch nie benutzen.
Die Ermittlungen führen den Kommisar immer wieder ins Rotlichtmilieu von Wien – hier gibt es im Unterschied zu vielen anderen Serien wiederkehrende Figuren, die zwar keineswegs auf der gleichen Seite des Gesetzes wie „Trautmann“ stehen, diesem aber dennoch immer wieder als Informanten dienen – wie zum Beispiel der “Pate aus der Leopoldstadt”, Naßl Wessely. Unterstützt wird er dabei von seinen Mitarbeitern Burschi Dolezal und Monika Tränkler, sowie von seinem Vorgesetzten, Oberst Brandner, dessen Vorname nicht bekannt ist.
Für den ORF war die Serie ein sensationeller Erfolg, so schrieb das österreichische Bundesinnenministerium von Rekordquoten, die die Serie dem ORF beschert hätte. Als Grund für diesen Erfolg, wird oft die Realitätsnähe von „Trautmann“ herangezogen, auch Hauptdarsteller Wolfgang Böck meinte, dass dies ihm von Seiten der Kriminalpolizei immer wieder bestätigt würde. ”Ich glaube, der Beruf des Kriminalpolizisten ist ganz anders als er sonst in Filmen dargestellt wird – anstrengend und unbedankt“, so Böck weiter. Es bleibt indes zu hoffen, dass die ARD den Mut des ORF nicht länger unbedankt lässt und die Serie von 3sat ins ARD-Hauptprogramm holt.
„Trautmann“ läuft in unregelmäßigen Abständen auf ORF 1 und auf 3sat. Wer über Ausstrahlungen informiert werden möchte, dem empfehlen wir, sich bei wunschliste.de einzutragen.
| Die entscheidenden Leute hinter “Trautmann” |
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Der Erfinder der Serie ist Ernst Hinterberger, ein österreichischer Schriftsteller (geboren 1931). Als gelernter Elektriker besuchte er 1950 bis 1952 die Wiener Polizeischule, die er allerdings wieder verlassen musste, da bei ihm überraschend eine starke Sehschwäche eintrat. Danach arbeitete er als Bibliothekar und als Expedient einer Fabrik. Zur Literatur fand er bereits in den 1950er-Jahren über den bayrischen Autor Oskar Maria Graf. Als Autor zahlreicher Bücher und Bühnenstücke ist er auch der Kopf hinter drei österreichischen Kultserien: Den Milieustudien “Ein echter Wiener geht nicht unter” (1975-1979) und “Kaisermühlen-Blues” (1992-1999) sowie der Krimiserie “Trautmann” (seit 2001)
Hauptdarsteller Wolfgang Böck ist ein 1953 in Linz geborener Absolvent (1976, mit Auszeichnung) der “Hochschule für Musik und darstellende Kunst” in Graz. Nach Theaterengagements in Bregenz (u.a. “Einer folg über das Kuckucksnest”) und Linz (“Klassenfeind”) kam er ab 1983 ans Wiener Volkstheater. Engagements unter anderem am Züricher Schauspielhaus (“Arsen und Spitzenhäubchen”) und am Grazer Opernhaus (“Alexis Sorbas”) runden seine reichhaltige Theatererfahrung ab. Im Oktober 2003 wurde die künstlerische Leitung der Schlossspiele Kobersdorf auf Wolfgang Böck übertragen, wo er in Nestroys Klassiker “Lumpazivagabundus” zugleich als Schuster Knieriem auf der Bühne steht. Einem breiteren Fernsehpublikum wurde er als “Kieberer” (Polizist) Trautmann in der Serie “Kaisermühlen-Blues” und deren Nachfolgeserie “Trautmann” bekannt. Für seine Darstellung des “Trautmann” wurde Böck – gemeinsam mit Ernst Hinterberger – im Dezember 2001 von der Vereinigung der Bundeskriminalbeamten Österreichs zum “Ehrenkieberer” ernannt. |
