“Angie” auf RTL. Die neue Comedy-Serie mit Mirja Boes ist vor allem ein kommerzieller Erfolg. Bei ihrer Premiere vergangene Woche konnte sie über 18 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe einfahren. Eine Überraschung zumindest für all die, die geglaubt haben, dass man nur mit Qualität Zuschauer locken und binden kann. Denn “Angie” ist nur seichtes Fernseh-Gedudel.
„Angie“ hätte man lieber „Babsi“ oder „Hanni“ nennen sollen. Dann wäre die Irritation, es könnte sich ja doch um eine versteckte Parodie auf die amtierende Bundeskanzlerin handeln, gar nicht aufgekommen. So muss man die Serie erst sehen, um aufgeklärt zu werden: „Angie“ heißt nämlich nicht „Einschi“ sondern „Anschi“ und wird gespielt von Mirja Boes, die viele aus ihrer Rolle bei den „Dreisten Drei“ kennen dürften, ein „Sketch-Comedy“-Format aus den Vorwehen des Sat1-„Funfreitags“.
Wieder also ein „Personality“-Format, nachdem bereits Bernd Stelter, Atze Schröder, Mariele Millowitsch oder Gabi Köster ähnliches versucht hatten. Vergangenen Freitag hatte die neue Serie ihre Premiere. Die Quoten waren erstaunlich gut. 3 Millionen Zuschauer sahen zu, zwei Drittel davon aus der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Auch wenn zum Ende hin mehrere 100.000 Zuschauer wieder abschalteten, das Ergebnis ist ein großer Erfolg und eine Ohrfeige für all die Kritiker, die die Serie im Vorfeld – vielleicht nicht ganz zu Unrecht – verrissen hatten.
Fast wie Alkohol
Denn auch wenn „Angie“ kein künstlerischer Erfolg ist, ein kommerzieller ist es allemal. Hier wird ein Publikum bedient, das sich nicht nach Tiefgang und guten Geschichten sehnt. Es will seichte Unterhaltung, ohne sich viele Gedanken machen zu müssen. Feierabend-Unterhaltung eben, die die Sinne betäubt, vom deprimierenden und perspektivlosen Leben ablenkt. Fast wie Alkohol, nur gesünder.
Eigentlich lohnt es sich deshalb nicht wirklich, die Serie in ihren Einzelheiten zu besprechen. Sicher könnte man Hauptdarstellerin Boes zitieren, die sich mit „Angie“ einen langen beruflichen Traum erfüllt hat. Man könnte die Verbindungen zu „Sex and the City“ aufzählen und erwähnen, dass „Angie“ ein Produkt amerikanischer Autoren war wie so viele Serien, von denen wir eigentlich dachten, sie wären auf deutschem Mist gewachsen. Man könnte sich fragen, warum in der Serie dauernd „Kölsch“ und nicht einfach nur „Bier“ bestellt wird und ob man damit nicht 70 Prozent der deutschen Zuschauer ausgrenzt, die „Kölsch“ für Wasser mit Bierzusatz halten. Man könnte auch darüber nachdenken, ob Boes nicht lieber doch bei ihrem alten Sketch-Format bei Sat1 hätte bleiben sollen. Da war sie nämlich wirklich ganz gut, hier ist sie nicht schlechter, aber es passt irgendwie nicht. Alles gute Punkte, die letztlich aber völlig unerheblich sind. Denn die Serie wird gesehen. Das ist das einzig Überraschende, worüber es sich zu Denken lohnt.
“Angie” läuft immer Freitags um 21:45 Uhr auf RTL
