Im Namen des Gesetzes. Unverwüstlich läuft seit 1990 in den USA die Serie “Law & Order”. Sie erzählt von der Zusammenarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft, ein Konzept, das RTL 1994 für seine Serie “Im Namen des Gesetzes” ebenfalls verwendete. Seit 4. Dezember mit neuen Folgen am Start, ist sie eine der wenigen überlebenden RTL-Eigenproduktionen.
In den frühen 1990er-Jahren kam man im Hause RTL auf die Idee, dass damals erfolgreiche US-Serien gute Vorlagen für deutsche Serien sein könnten. Also klaute (oder vornehmer: adaptierte) man einige US-Formate. Zuerst die Serien “Eine schrecklich nette Familie” (aus der “Hilfe, meine Familie spinnt” wurde) und “Wer ist hier der Boss?” (aus der “Ein Job für’s Leben” wurde). Beide Male nahm man die Originaldrehbücher der US-Vorlage und drehte die Szenen mit deutschen Darstellern nach. Obwohl sogar diese Serien ihre Lichtblicke hatten, floppten sie gnadenlos und wurden nach 15 bzw. 26 Episoden abgesetzt.
Immerhin eigene Drehbücher gönnnte man hingegen ab 1994 der Serie “Im Namen des Gesetzes”, die auf dem US-Format “Law & Order” basierte. Hier machte die Adaption aus der Überlegung heraus Sinn, dass das amerikanische Rechtssystem doch gravierende Unterschiede zum deutschen Rechtssystem aufweist und dadurch eine sich “näher an den Zuschauern” befindliche Serie gedreht werden konnte. Anfangs im Doppelpack mit ihrem US-Vorbild ausgestrahlt, entwickelte sich die Serie zu einem großen Erfolg für RTL, so dass ab 4. Dezember 2006 bereits die 11. Staffel ausgestrahlt werden wird.
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Der Erfolg der Serie in den Anfangsjahren sorgte für Stirnrunzeln bei vielen Kritikern, die “Im Namen des Gesetzes” für richtig schlecht hielten – und damit wahrscheinlich nicht ganz falsch lagen. Denn auch wenn auch schon damals vorgegeben wurde, die Fälle basierten auf realen Vorkommnissen, so sträubten sich einem regelmäßig die Haare, wenn man (gerade) die (juristische) Auflösung der Fälle sah. Da mag dann noch irgendwo ein Fünkchen Realität drin gesteckt haben, aber das, was dann am Ende als Drehbuch herauskam, war oft schlicht hanebüchen.
Auch war es mit der Eigenständigkeit der Serie schon auf den zweiten Blick nicht mehr weit her, denn auch hier wurde ziemlich dreist vom US-Vorbild kopiert. Zwar gab es eigene Drehbücher, was nicht unbedingt von Vorteil war, in Sachen Kameraführung, Besetzung (hübsche Staatsanwältin, Zusammensetzung der Kommissare) und Schnitt wurde “Law & Order” hingegen dreist kopiert. Auch das Auftreten der deutschen Kommissare war keineswegs eigenständig – zeitweise hatte man das Gefühl, hier wäre das Kult-US-Kommissarpärchen Briscoe/Logan bis aufs letzte Detail der Körperhaltung imitiert worden.
Dass die Serie trotz dieser eklatanten Mängel ihre Zuschauerschaft fand, mag an zwei Lichtblicken gelegen haben: An Henry van Lyk, der von 1994 bis 2004 als Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Lotze eine glänzende Figur machte und an Wolf Bathke, der ihm in der Rolle des Kommissars Stefan Kehler kaum nachstand. Die beiden waren es auch, die Holprigkeiten im Drehbuch regelmäßig souverän überspielten.
Dem Erfolg sicher nicht abträglich war, dass man sich daran erinnerte, was eines der Erfolgsgeheimnisse der ZDF-Serie “Derrick” war: Das herausragende Casting der Gastschauspieler. So zog man zwar (im Unterschied zu “Derrick) kaum bekannte Namen an, legte aber großen Wert darauf, dass zumindest die wichtigsten Gastschauspieler ihr Handwerk verstanden. “Im Namen des Gesetzes” war auf diese Weise zwar nie ein qualitatives Aushängeschild für RTL, man war aber auch in den schlechtesten Folgen immer noch besser als “Alarm für Cobra 11″ oder gar “GZSZ”.
Solider Start in Staffel 11
Mit der Folge “Junge Liebe” startet die Serie in ihre elfte Staffel und bietet dabei durchaus solide Unterhaltung. Richtig gut sind wie üblich die Gastdarsteller, allen voran Michael Greiling als Eigner einer schicken Boutique. Gleichzeitig die größte Schwäche und die größte Stärke zeigt die Folge im Gerichtssaal: Das plötzliche Geständnis des Angeklagten wirkt ein wenig konstruiert, hatte er doch bis dahin alles bestritten – das lässt sich aber damit erklären, dass die Folge irgendwie in 45 Minuten zu Ende gebracht werden musste. Bei den Hintergründen der Tat zeigt sich, dass sich “Im Namen des Gesetzes” mittlerweile richtig gemausert hat. Denn man schafft es, die Tatsache, dass hier der Onkel in seine Nichte verliebt war und ist, sehr behutsam zu erzählen und driftet an keiner Stelle ins Klischeehafte ab. Wenn “Im Namen des Gesetzes” dieses Niveau halten kann, ist es eine klare “Einschaltempfehlung”.
“Im Namen des Gesetzes” läuft ab Montag, 4. Dezember, 21:15 Uhr, auf RTL. Wenn Sie über Ausstrahlungen dieser Serie informiert werden wollen, empfehlen wir, sich bei wunschliste.de einzutragen.
