RTL vs. Sat.1. Am 4. Januar entscheidet sich, welche US-Krimiserie in Deutschland die Nase vorn hat. RTL zeigt neue Folgen von “CSI”, Sat.1 “Without a Trace” und RTL II “Law & Order NY” – und das alles um 20:15 Uhr. Eine Stunde später duellieren dann noch RTL und Sat1 um das Krimipublikum. Normalerweise müsste ein Sender dabei auf der Strecke bleiben.
US-Serien gegeneinander programmiert sind in letzter Zeit nichts Neues im deutschen Fernsehen. Nur wenige Jahre nach einer Zeit, in der allgemein noch behauptet wurde, Serien aus Übersee seien allenfalls etwas für Nischensender, duellieren sich bereits montags und dienstags US-Erstausstrahlungen miteinander.
Bertelsmann vs. ProSiebenSat.1, die dritte
So steht der Crime-Montag auf VOX (Bertelsmann-Konzern) dem Mystery-Montag auf ProSieben entgegen – mit klarem Vorteil für VOX, das selbst mit Wiederholungen von „Criminal Intent“ vor diversen ProSieben-Mystery-Serien liegt. Dienstags steht der Crime-Dienstag auf RTL (Bertelsmann) gegen den Gemischtwarenladen auf ProSieben sowie die „Gilmore Girls“ um 20:15 Uhr auf VOX. Hier gewinnt RTL mit „CSI: Miami“, „Dr. House“ & Co. ebenfalls klar gegen ProSieben mit „Grey’s Anatomy“ und den „Desperate Housewives“, wobei hier trotz extrem guter RTL-Quoten zunehmend auch ordentliche Werte für ProSieben zu verzeichnen sind. Und auch der kleinste Sender, VOX, erreicht mit den „Gilmore Girls“ sehr ordentliche Werte über Senderschnitt, so dass VOX hier mit dem „dritten Platz“ unter den drei US-Seriensendern am Dienstag sicher gut leben kann. Zumal bei den ganz jungen Zuschauern (14-29 Jahre) VOX noch besser abschneidet.
Neu ist an diesem Donnerstag also nicht, dass überhaupt US-Serien im deutschen Fernsehen gegeneinander programmiert werden, sondern dass dies einerseits auf den beiden Flaggschiffen der privaten Fernsehsender, RTL und Sat.1, geschieht – und dass beide mit Crimeserien zu punkten versuchen. Nicht zu vergessen, dass die „Programmfarbe US-Crimeserie“ donnerstags um 20:15 Uhr eigentlich RTL II „gehört“.
Ab Februar wird dann nach derzeitigem Stand übrigens bereits die vierte Runde im Kampf der beiden Fernsehkonzerne gegeneinander mit Hilfe von US-Serien beginnen, wenn VOX den Freitag Abend mit „Crossing Jordan“ und „Close To Home“ gegen kabel eins mit „Cold Case“ und „Without A Trace“ programmiert.
Kurze Rückschau
Im Herbst des Jahres 2006 war Sat.1 aufgefallen, dass die einst von ProSieben mangels Quoten zu kabel eins abgeschobene Serie „Without A Trace“ dort mittlerweile überaus erfolgreich läuft und regelmäßig zweistellige Marktanteile in der Zielgruppe einfährt. Man erinnerte sich, dass dies ja einst auch „CSI: Miami“ bei VOX gelungen war, woraufhin die Serie zu RTL gewechselt war und fortan meist um die 25% Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe einbrachte. So kam man auf die Idee, mit „Without A Trace“ das Gleiche zu versuchen. Ab 26. Oktober 2006 sollte die Serie donnerstags um 21:15 Uhr zu sehen sein und damit den nicht mehr sonderlich erfolgreich verlaufenden Donnerstagabend bei Sat.1 aufpolieren. Doch im Hause RTL reagierte man schnell und holte sich „CSI“ von VOX. Wie noch vor Beginn der Sat.1-Ausstrahlungen von „Without A Trace“ angekündigt, lief „CSI“ ab 9. November 2006 dann ebenfalls donnerstags um 21:15 Uhr auf RTL – wenig überraschend erneut mit großem Erfolg. Sat.1 zog daraufhin die Ausstrahlungsankündigung von „Without A Trace“ vorerst zurück.
Der zweite Anlauf für Sat.1
Ende November 2006 entschied man sich im Hause Sat.1 dann, dass man „Without A Trace“ fortan donnerstags um 20:15 Uhr ausstrahlen wolle – gegen „Alarm für Cobra 11“ auf RTL und anstatt der „Schillerstraße“, die dafür ab Ende Januar Teil des so genannten „Fun Freitags“ werden sollte. Und wieder setzte RTL nach und programmierte für die ersten beiden Ausstrahlungstermine von „Without A Trace“ Doppelfolgen von „CSI“ (danach soll dann die neue Hannes-Jaenicke-Serie „Post Mortem” diesen Platz übernehmen) – diesmal aber zog Sat.1 nicht zurück. Allerdings entschied man sich wundersamer Weise, für den 22:15-Uhr-Programmplatz nicht wie ursprünglich vorgesehen auf „The Unit“ zurückzugreifen, sondern statt dessen auf die zweite Staffel der US-Serie „Numb3rs“, deren erste Staffel schon mit überschaubarem Erfolg auf ProSieben zu sehen gewesen war.
Erwartungen an den Donnerstag
Eigentlich kann der Sieger dieses Duells nur RTL heißen – und das aus folgenden Gründen:
- RTL ist Marktführer, Sat.1 die Nummer zwei des Privatfernsehens, RTL hat also im Zweifel die höhere „Grundzuschauerzahl“
- CSI gilt allgemein als die stärkere Serie als „Without A Trace“, dies zeigte sich auch schon als „Without A Trace“ noch auf ProSieben lief: Damals blieben die Zuschauer nämlich lieber nach „CSI“ bei „Medical Detectives“ hängen als zu „Without A Trace“ zu wechseln.
- Wenn in letzter Zeit ein „CSI“-Format gegen irgendwen sonst in Deutschland antrat, hieß zumindest in der werberelevanten Zielgruppe der Sieger meist „CSI“ – ab und an sogar gegen RTLs „Wer wird Millionär?“
- Mit dem erwarteten Sieg um 20:15 Uhr sollte auch der restliche Abend allein durch den „Audience Flow“ an RTL gehen – zumal Wiederholungen von „Navy CIS“ (21:15 Uhr, auch gegen „CSI“) nicht unbedingt zum Umschalten verleiten dürften und „Numb3rs“ bisher nicht beweisen konnte, dass es in Deutschland erfolgreich sein kann.
Spannend dürfte also (neben der Frage, ob es nicht vielleicht doch eine Überraschung gibt) vor allem die Frage sein, ob es für beide „Giganten“ genug Raum mit ihren US-Crime-Formaten gibt. RTL II hingegen sollte mit “Law & Order: New York” eigentlich unbeeindruckt von all dem stabile Quoten einfahren, denn dies gelang in der Vergangenheit weitgehend auch – egal, was die “großen” Privatsender programmierten.
