Bahnbrechender Neustart. „KDD – Kriminaldauerdienst“ heißt die neueste ZDF-Serie, die heute ab 21:15 Uhr im Internet (ZDF-Mediathek) und morgen, 21:15 Uhr im ZDF startet. Die Serie ist ein Quantensprung in Sachen Qualität deutscher Serien und nicht weniger als der neue Benchmark für andere Serien aus deutscher Produktion.
Es ist eigentlich wie jeden Morgen – man zieht wieder einmal einige DVDs aus dem Briefkasten. Dienstagsfilme von Sat.1 – und ein paar Serien-DVDs vom ZDF. „Der Adler – die Spur des Verbrechens“, „Waking The Dead – Im Auftrag der Toten“ und „KDD – Kriminaldauerdienst“. Als jemand, der im Rahmen seiner juristischen Ausbildung vor ein paar Jahren den „echten“ Kriminaldauerdienst aus erster Hand erlebt hat, wird man bei diesem Namen natürlich aufmerksam – und so wandert die entsprechende DVD auch ziemlich schnell in den DVD-Player.
Und was man da sieht, lässt einen kaum glauben, dass es sich um eine deutsche Produktion handeln soll, denn das ZDF präsentiert sich auf einmal nicht nur auf der Höhe der Zeit in Sachen Serien (das tat das ZDF
ja beispielsweise schon bei der Coproduktion von „Der Adler – die Spur des Verbrechens“), sondern schafft es, die Messlatte für deutsche Serien gehörig nach oben zu verschieben.
„KDD“ fühlt sich echt an und unterscheidet sich schon dadurch von den allermeisten deutschen Serien. Hier wird nicht künstlich drauf geachtet, dass es im Hintergrund möglichst ruhig ist, damit man den Dialog im Vordergrund auch auf jeden Fall versteht, sondern hier wird der „Taubenschlag“, den eine solche Dienststelle besonders tagsüber nun einmal darstellt, realistisch abgebildet. „Kontrolliertes Chaos“ nennt Regisseur Matthias Glasner das – den „Emergency Room“ der deutschen (Krimi-)Serien könnte man es auch nennen.
„KDD“ lebt von exzellent gezeichneten Charakteren, die durch die Bank alles andere als perfekt sind. Ob ein privat überforderter Dienstgruppenleiter oder ob eine Wachgruppenleiterin, die daran scheitert, ihren Kolleginnen und Kollegen gegenüber offen zu ihrer Beziehung zu einer Frau zu stehen – sie alle sind so gezeichnet, dass sie auch in der Realität vorhanden sein könnten.
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Exzellent gezeichnete Charaktere leben aber erst, wenn sie von richtig guten Schauspielern verkörpert werden – und auch hier weiß „KDD“ vollkommen zu überzeugen. Beispielsweise Manfred Zapatka in der Rolle des Jan Haroska. Zapatka braucht keine Minute Screenzeit, um Haroska zu sein. Dabei hilft es natürlich, dass die Figur des Jan Haroska die erste ist, deren Privatleben gezeigt wird. Ein Privatleben, das letztlich die Ursache für einen großen Fehltritt im Beruf setzt – in einem Beruf, der ihn einst hat verstärkt zum Alkohol greifen lassen.
Dieses Zusammenspiel von Privatleben und Beruf ist das eigentliche Thema der Serie. Und es gelingt, ohne je aufgesetzt zu wirken – es ist das, was einen der nächsten Folge entgegenfiebern lässt. Das bedeutet beileibe nicht, dass die Krimis unspannend wären. Dabei setzt das ZDF auch visuell neue Maßstäbe, denn keine andere deutsche Serie kann für sich in Anspruch nehmen, eine derart einzigartige Bildsprache zu verwenden – Wiedererkennungswert 100%.
Um die Dialoge möglichst wenig geskriptet aussehen zu lassen, gab Regisseur Glasner seinen Schauspielern auch die Freiheit, diese nach ihrem Gusto zu bearbeiten. Auch wurde bewusst darauf verzichtet, Marken auf den Boden zu kleben, auf die sich die Schauspieler für ein möglichst perfektes Bild hinbewegen müssen. Statt dessen waren immer zwei Kameras im Einsatz – eine Steadycam (Halterungssystem für tragbare Film- und Fernsehkameras) und eine freie Kamera. Das hilft dabei, das oben beschriebene „echte“ Gefühl herzustellen – und das sorgt dafür, dass die Schauspieler sich so sehr entfalten können, wie wohl in keiner anderen deutschen Serie.
Dass dadurch die Folgen in sich nicht abgeschlossen sind, liegt auf der Hand. Gleichzeitig – wie eben beim
„echten“ KDD – passiert sehr viel gleichzeitig, was der Serie auch im internationalen Vergleich ungewöhnliche Dichte verleiht. Das Schlusswort soll daher dem Autor der Serie, Orkun Ertener, gehören, der bei ZDF online auf die Frage, wer die Idee zur Serie hatte, antwortete: „Eher würde ich von einer bestimmten Haltung sprechen: Wir haben daran geglaubt, dass es auch bei uns Zeit wird, im Krimi-Genre zu erzählen, aber dennoch komplexe Charaktere eine längere Zeit zu begleiten und die Vielschichtigkeit und Widersprüche ihrer Handlungen als Vorteil und Chance zu sehen. Das US-Fernsehen praktiziert dies mit seinen erfolgreichen und preisgekrönten Ensembleshows seit Jahren. Dahinter steckt der Gedanke, dass die Erzählform Serie sich durchaus als “Roman unserer Zeit” betrachten lässt.“
u-kult.de wird die KDD-Folgen einzeln begleiten – immer freitags abends. Zur Übersicht geht es hier.
„KDD – Kriminaldauerdienst“ läuft immer freitags um 21:15 Uhr im ZDF. Immer donnerstags ab 21:15 Uhr ist die neueste Folge in der ZDF-Mediathek kostenlos zu sehen. Wer über weitere Ausstrahlungen von „KDD – Kriminaldauerdienst“ auf dem Laufenden bleiben möchte, dem empfehlen wir, sich auf wunschliste.de einzutragen.
