Die Bordell-Comedy-Serie “Respectable”, die heute auf “Comedy Central” startet, ist alles andere als ein Tabubruch. Sex spielt darin kaum eine Rolle.
In einem Bordell sollte man keine Liebe suchen. Trotzdem erzählt die Fernsehserie “Respectable”, die heute um 20:15 Uhr auf Comedy Central anläuft, keine Sex-, sondern ausschließlich Liebesgeschichten. Es geht um den Londoner Vorstadt-Puff “Debonnaire” und den rundlichen Versicherungsagenten Michael, der auf der Suche nach erotischer Abwechslung in das Zimmer der etwas naiven, aber bildhübschen Prostituierten Hayley gerät. 120 Pfund zahlt er ihr pro Stunde, aber Sex will er dafür nicht. Michael will nur reden. Das tun sie dann auch – immer wieder und über sechs Folgen. Szenen unter der Gürtellinie gibt es nicht. Die Serie bleibt anständig und das ist bemerkenswert.
“Respectable” macht damit seinem Namen alle Ehre. Obwohl die Handlung fast ausschließlich im Bordell spielt, bekommt man das Gefühl, dass hier die welt noch in Ordnung ist. Keine gedemütigten, kaputten Frauen und keine Freier, die diese nur als Lustobjekt, nicht als Mensch wahrnehmen. Ausgerechnet im “Debonnaire” liegt das Zentrum der Anständigkeit, eingewebt in gelegentliche Anspielungen, die das Gesamtbild allerdings keineswegs erschüttern. Genau das richtige für den verklemmten Biedermeier Michael, der hier fast ein zweites Zuhause gefunden hat.
Respektvoll – so gehen die Figuren miteinander um und die Macher geben sich alle Mühe, dass das so bleibt. “Respectable” ist eine Serie, die man getrost auch Kindern zeigen könnte. Vielleicht war genau das der Grund, warum zur Ausstrahlung von vor zwei Jahren viele Frauenrechtlerinnen in Großbritannien gegen die Serie Sturm liefen. In einer Online-Petition forderten sie Absetzung der Serie, weil diese eine “große Missinterpretation des Lebens einer Prostituierten” darstelle. Die Produzenten erwiderten, dass eine Comedy-Serie keineswegs die Realität abbilden müsste.
Sie haben Recht – das muss sie nicht. Aber fernab jeder moralischen Diskussion lässt diese eigenwillige Sichtweise auf das Rotlichtmileu den Zuschauer mit gemischten Gefühlen zurück. Was soll man beispielsweise mit der jungen Studentin Kate anfangen, die sich mit sexuellen Dienstleistungen ihr College finanziert? Ihre einzige Sorge ist, von Mitstudenten oder Professoren entdeckt zu werden – die Arbeit an sich macht ihr sogar Spaß. Ist das glaubwürdig? Realistisch betrachtet auf keinen Fall, aber dramaturgisch ebenfalls nicht.
“Respectable” ist genauso oberflächlich wie seine Figuren. Das hat seinen Charme, wirkt aber auch unheimlich irritierend. Ebenso wie die konsequente Abstinenz von Sex, der für den Zuschauer allerhöchstens hinter verschlossenen Türen stattfindet. Verkehrte Welt also in dieser “Respectable”. Liebe gibt es hier zu Hauf, aber wenn man den Freiern des “Debonnaire” einen Rat geben müsste, dann würde er wohl so lauten: In diesem Bordell solltest Du keinen Sex suchen. Denn finden wirst Du ihn unter Garantie nicht. Vor allem nicht als Zuschauer.
“Respectable” läuft heute, am Samstag, um 20:15 Uhr und morgen um 19:15 auf Comedy Central.
