Nicht so schlimm, wie befürchtet, aber leider auch nicht so gut, wie es sein könnte wird nun das Finale des Eurovision Song Contests. Mit immerhin elf richtig guten Beiträgen, dazu einigen ordentlichen bis guten wird der Samstag Abend aller Voraussicht nach Spaß machen. Verantwortlich dafür ist insbesondere das zweite Halbfinale, das vom Niveau her um Längen vor dem ersten lag. Schade eigentlich, dass dieses zweite Halbfinale vom NDR ins Nachtprogramm verbannt wurde, denn das wäre wirklich Werbung für die Veranstaltung gewesen. Bösartig könnte man jetzt natürlich sagen: Ohne Deutschland läuft’s besser.
Man stelle sich nur einmal kurz vor, es hätten noch der mazedonische, der ungarische und vor allem der bulgarische Beitrag (letzterer trotz nicht ganz perfekter Liveperformance) den Einzug ins Finale geschafft, dazu aus dem ersten Halbfinale noch die Niederlande. Man stelle sich weiterhin vor, die Liveauftritte der Franzosen und Deutschen am Samstag überzeugen, das Finale hätte musikalisch von der Leistungsdichte das des vergangenen Jahres gut erreichen können. Ob die No Angels und Sebastien Tellier nun überzeugen werden, kann an dieser Stelle noch nicht gesagt werden – drei extrem starke Beiträge werden im Finale aber leider fehlen. Angesichts von sechs “Bombenbeiträgen” aus dem ersten Halbfinale, Serbien als siebtem “Bombenbeitrag”, angesichts des Potenzials des französischen Beitrags und angesichts der nicht zu vergessenen starken Beiträge aus Nowegen, Rumänien und Finnland wird der Samstag aber durchaus unterhaltsam werden.
Die Auslosung im Finale sorgt allerdings für ein Hauen und Stechen – so ist Favorit Russland eingeklemmt zwischen zwei der stärksten Beiträge überhaupt – dem serbischen und dem norwegischen – und alle drei bilden die Schlusstroika am Samstag. Es wird schon alleine an dieser Stelle spannend werden, zu sehen, ob – und wenn ja, wer – da jemand auf der Strecke bleibt.
Wer allerdings wirklich Spaß haben will, der sollte sich überlegen, “fremdzugehen” und auf einen der Auslandssender auszuweichen. Denn was Peter Urban im ersten Halbfinale an seltsamen und unpassenden Kommentaren abgelassen hatte, steht im krassen Missverhältnis zur zwar zeitweise geschwätzigen, immer aber unterhaltsamen Art seines Schweizer Kollegen im zweiten Halbfinale. Schade, dass es nicht auch einen Moderatorenvorausscheid gibt – Peter Urban in der Form dieses Jahres wäre da nie mit gekommen.
Nach dem zweiten Halbfinale muss man im Übrigen der EBU auch eine gewisse Wirksamkeit ihrer Regeln zugestehen, sind doch mit Dänemark und Schweden zwei große Eurovisionsnationen ins Finale eingezogen, ebenso Portugal und Island – sowie die Türkei. Dass es dann von den Staaten des Ostens ausgerechnet Bulgarien und Mazedonien erwischen musste, schmerzt allerdings tatsächlich – ebenso wie die Buhrufe des Publikums vor (!) dem mazedonischen Beitrag.
Weitere Screenshots (große Bilder ab Simon Mathew) folgen im Laufe des Samstags.
























