Cléopâtre, Musical der Superlative

von Matthias Pohlmann am 23. November 2009

Cleopatre - la derniere reine d Egypte mit Sofia EssaidiAm vergangenen Wochenende gastierte das Musical Cléopâtre – la dernière reine d’Egypte im Zénith in Strasbourg. Kurz vor dem Ende der Tournee durch Frankreich im Dezember (ab 14. Januar 2010 wird das Stück wieder fest in Paris zu sehen sein) gab es somit also auch für deutsche Musicalfans die Gelegenheit, das Ganze ohne allzu großen Anreiseweg anzusehen. Zu sehr fairen – in Frankreich üblichen – Preisen wurde ein Spektakel geboten, das sich vom normalen Musical in unseren Breiten kräftig abhebt. Und für die Hauptdarstellerin, Sofia Essaïdi, einen kräftigen Karriereschub bedeuten dürfte.

Zunächst einmal muss man ja festhalten, dass es sich bei der in Strasbourg dargebotenen Aufführung um eine Tourneeversion handelt. Wer aber glaubte, man würde das irgendwo zu spüren bekommen, der sah sich getäuscht. Das Bühnendekor entspricht bis auf winzige Ausnahmen genau dem, was auch in Paris zu sehen gewesen war, als das Musical dort vor gut einem dreiviertel Jahr uraufgeführt wurde.

  • Musik:

Musikalisch hat Cléopâtre mit den Musicals klassischer (beispielsweise Lloyd-Webber-)Prägung nur wenig gemeinsam, man merkt durchaus, dass die Songs sehr neu sind. Dabei wird eine sehr große Bandbreite von Pop bis Rock abgedeckt, garniert mit Elementen elektronischer, Dance- und Techno-lastiger, Musik. Nur wenige Songs sind dabei Balladen, die meisten Stücke sind vor allem Eines: tanzbar. Was hier uneingeschränkt positiv angemerkt sei – denn das geht keineswegs zu Lasten von Melodien, sorgt gleichzeitig aber dafür, dass man sich immer wieder dabei ertappt, wie man sich mitbewegt. Und auch als – normalerweise – großer Fan von Livebands muss man hier zugestehen, dass es keineswegs stört, dass der Instrumentalpart der Musik vom Band kommt. Ganz abgesehen davon, dass das bei mehreren Songs auch mit Liveband so gewesen wäre – aufgrund der elektronischen Elemente. Insgesamt kann man die Musik vor allem als Eines bezeichnen: mitreißend.

  • Cast (Gesangsrollen):

Dass das Casting für dieses Spektakel auf sehr hohem Niveau sein dürfte, dessen konnte man sich eigentlich schon im Vorfeld sicher sein, ist der Hauptverantwortliche für dieses Musical doch niemand anders als Kamel Ouali, der wohl bekannteste Choreograph Frankreichs und in den vergangenen acht Jahren nebenher Lehrer für Tanz und Choreographie (und damit auch Juror)  in der französischen Castingshow Star Academy.

Florian Etienne gibt einen eindrücklichen Marc Anton, Mickaël Trodoux überzeugt trotz vergleichsweise weniger Szenen also Octavian – und doch ist auf Seiten der Männer insbesondere Christopher Stills als Julius Cäsar hervorzuheben, der ein ums andere Mal beweist, welch hervorragender Sänger er ist. Ebenso mit einem Sonderlob zu versehen ist Mehdi Kerkouche als Ptolemaios – ein Energiebündel par excellence. Und unter allen, die Singen derjenige, mit den meisten anderen Aufgaben – keiner der anderen (singenden) Männer tanzt auch nur annährend so viel wie Mehdi Kerkouche. Einen bleibenden Eindruck hinterlassen dabei aber ausnahmslos alle.

Sofia Essaidi als CleopatreOhne damit auch nur andeuten zu wollen, dass  Amélie Piovoso als Octavia auch nur den geringsten Anlass zur Kritik gegeben hätte, sind unter den Frauen dennoch zwei andere hervorzuheben. Die äußerst stimmgewaltige Dominique Magloire in der Rolle der großen Priesterin Charmion bringt eine gehörige Portion Bombast auf die Bühne, ist dafür von Tanzchoreografien auch weitestgehend entlastet. Ganz im Gegenteil zu Sofia Essaïdi, die tanzt, fliegt, geworfen wird und akrobatische Übungen vornehmen darf – das alles zusätzlich zum Gesang. Deshalb – vor allem aber auf Grund ihrer unglaublichen Bühnenpräsenz – ist sie der unumstrittene Star des Abends. Vor ihrer Leistung kann man nur alle verfügbaren Hüte ziehen.

  • Inszenierung:

Eine Besprechung der Inszenierung ohne eine Erwähnung der mit “beeindruckend” nur äußerst unzureichend beschriebenen Tanzszenen wäre bei mehr als seltsam. In völliger Synchronität zaubern eine Vielzahl von Tänzerinnen und Tänzern in fast jeder Szene (nur selten sind nur die Sängerinnen und Sänger auf der Bühne) Bilder von einer Ästhetik auf die Bühne, wie man sie sich besser nicht erträumen kann. Diese Vielzahl von Bildern, die dadurch in die Köpfe der Zuschauer gepflanzt werden, sind auch der Grund dafür, dass diese Besprechung mit zweitägiger “Verspätung” erscheint – das muss man alles erst einmal für sich sortieren und verarbeiten. Und eine Garantie darauf, beim ersten Sehen beileibe nicht alles erfasst zu haben, hat man dabei auch – insofern ist der Erfolg des Musicals in Frankreich kein Zufall. Denn es dürfte zahlreiche Menschen geben, die nach dem ersten Besuch vor allem an Eines denken: Den nächsten Besuch.

Das Bühnenbild ist dabei modern, ohne spartanisch zu sein und bombastisch, ohne einen völlig zu “erschlagen”. Vieles wird mit Licht und Projektionen erledigt – das kennt man in Frankreich spätestens seit “Notre-Dame de Paris“. Im Unterschied zu “Notre-Dame” gibt es bei Cléopâtre aber auch jede Menge Kulissen – und Kulissenwechsel. Perfekt passend zur Geschichte Cleopatras, die hier vom Tod ihres Vaters bis zu ihrem Tod erzählt wird. Man kann also auch visuell so richtig in das Musical eintauchen – und ist auch deshalb für die gut zwei Stunden Dauer in einer ganz anderen Welt.

  • Fazit:

Dass die Truppe von Cléopâtre bereits kurz vor der Uraufführung des Musicals in Paris bei den NRJ-Music-Awards 2009 als “beste französische Gruppe” ausgezeichnet wurde, war weder voreilig noch zufällig. Der Cast ist schlicht hervorragend und die Inszenierung setzt vielfach neue Maßstäbe. Ebensowenig ist es Zufall, dass Sofia Essaïdi für die kommenden NRJ-Music-Awards (Anfang Januar 2010) als beste französische Künstlerin nominiert ist. Das ist verdient und sollte ihrer Karriere einen kräftigen Schub geben. Schon aus egoistischen Motiven hofft man dabei aber, dass sie dem Musical noch eine Zeit lang treu bleiben wird – denn wie bereits erwähnt, will man Cléopâtre (und zwar in genau dieser Besetzung) gerne mehr als einmal sehen. Denn es ist ein Musical, das man aus choreografischer und musikalischer Sicht, insbesondere aber als “Gesamtkunstwerk” am Besten mit “Musical der Superlative” beschreibt.

Cléopâtre tourt noch bis kurz vor Weihnachten durch Frankreich – und zwar:

  • am 27. und 28. November in Amnéville (Galaxie)
  • am 04. und 05. Dezember in Orléans (Zénith)
  • am 11. und 12. Dezember in Clermont-Ferrand (Zénith)
  • am 18. und 19. Dezember in Épernay (Millesium)

Ab dem 14. Januar 2010 ist Cléopâtre auf unbestimmte Zeit im Palais des Sports in Paris zu sehen.

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One Response to “Cléopâtre, Musical der Superlative”

  1. Fairouz sagt:

    Traduction de la premiere de l article en Allemand

    Le week-end dernier, le Zénith de Strasbourg a accueilli le spectacle musical Cléopâtre – La dernière reine d’Egypte. Peu avant la fin de la tournée en France en Décembre (à partir du 14 Janvier 2010, la pièce sera à nouveau tournée à Paris), les fans de musique allemands ont aussi eu la possibilité de participer à cet événement sans trop de contraintes de déplacements. A des prix très équitables – habituellement le cas en France – les billets offraient en contrepartie un spectacle qui se démarque fortement de la comédie musicale connues dans nos latitudes. Pour l’artiste principale, Sofia Essaïdi, ceci devrait signifier un grand coup de pouce en vue d une carrière réussie.
    Cela dit, il doit être souligné que le spectacle présenté à Strasbourg est une représentation réalisée dans le cadre d’une tournée nationale. Mais pour ceux qui pensaient ressentir cette forme de représentation se verront déçus. La décoration ou mise en scène représentent au détail près ce qui avait été vu à Paris, lors de la représentation de la comédie musicale il y a près de neuf mois.

    Musique:
    La comédie Cléopâtre a musicalement très peu de points communs avec les comédies musicales classiques (comme par exemple, Lloyd Webber), on réalise certainement que les chansons sont très originales. Une gamme large de musique allant du pop au rock est couverte, agrémenté d’éléments de danse électronique, et de techno. Seules quelques chansons ici sont des ballades, la plupart des morceaux se rejoignent dans un objectif: la danse. Dans ce cas évidemment très positif – parce que cela ne vient pas au détriment de la mélodie, d’autant plus que vous vous surprenez souvent happé par le rythme, et bougez tout le long ! Et comme pour les fans de grands concerts Live, ou l on se réjouit de la partie instrumentale du concert, ici aussi, et comme dans un concert Live, on dirait de la musique qu’elle était engageante, aussi grâce a ces éléments de musiques électroniques.

    Acteurs (rôles voix):
    Que le casting pour ce spectacle soit d’un niveau très élevé, cela vient sans service, le principal vecteur derrière cette comédie musicale, n’étant personne autre que Kamel Ouali, le chorégraphe le plus célèbre de France, et vraisemblablement des huit dernières années, un des enseignants pour la danse et la chorégraphie (et donc un juré) dans le concours de jeunes talents français « Star Academy ».
    Florian Etienne est un impressionnant Marc Antoine, Mickaël Trodoux impressionne malgré le peu de scène comme Octavi – et encore chez les hommes en particulier, Christopher Stills, en tant que Jules César bien mis en évidence, et prouve encore une fois son énorme talent de chanteur. Également une mention spéciale doit être attribuée à Mehdi Kerkouche en tant que Ptolémée – un paquet d’énergie par excellence. Et parmi tous ceux qui chantent, et qui a coté encore realuisent d autres prouesses artistiaues aucun des autres chanteurs ne danse autant que Mehdi Kerkouche. Ils ont toutefois tous sans exception laissé une forte impression.

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