Yutz (bei Metz), 1. Mai 2010. Festival “EuphorYques” – Hauptattraktion des Abends: Ein Konzert von Amel Bent, 2004 Drittplatzierte beim “Nouvelle Star” (der französischen Version von “Deutschland sucht den Superstar”, auch wenn das nur oberflächlich zutrifft). Nach drei Alben, die alle in die Top 10 Frankreichs kamen, gehört sie mittlerweile zu den etablierten Künstlerinnen in Frankreich – und unter diesen zu Recht zu denen, die die meiste Faszination verbreiten, wie sie auch an diesem Abend vor 5000 Leuten zwischen fünf und 50 Jahren unter Beweis stellte.
Dass Amel Bent über mindestens überdurchschnittliche Qualitäten als Livekünstlerin verfügt, das wusste man als TV-Zuschauer bereits seit 2007, als sich bei der jährlichen Veranstaltung “Fête de la musique” in Paris die Tontechnik einen totalen Aussetzer erlaubte. Praktisch alle, die damals aufgetreten waren, gingen stimmlich im Soundbrei unter aber eben nicht alle, zwei Ausnahmen gab es: Mika – und Amel Bent. Dies und die Tatsache, dass ich sie bei (der jährlichen Benefizveranstaltung zahlreicher französischer Künstlerinnen und Künstler ) “Les Secrets des Enfoirés” 2008 in Straßburg als eine von vielen teilnehmenden Künstlern bereits live gesehen hatte, waren entscheidende Argumente, gut 300km Autofahrt (einfacher Weg) auf sich zu nehmen, um die Dame einmal in einem kompletten Livekonzert zu erleben. Es sollte sich herausstellen, dass diese Entscheidung absolut kein Fehler war.
- Die Tontechnik
Seit meinem Artikel zur Hair-Premiere in Mannheim und der verheerend schlechten Tontechnik dort habe ich ja einen ganz besonderen Fan, der mich mit sehr “freundlichen” Emails verwöhnt. Ob die Mannheimer es mittlerweile hinbekommen haben, entzieht sich meiner Kenntnis – sollte dem aber nicht so sein, so sei ihnen an dieser Stelle ein Praktikum bei den Tontechnikern von Amel Bent wärmstens empfohlen. Die einzelnen Instrumente klar definiert, ebenso klar die Background-Sängerinnen (und der Background-Sänger) und davor die Stimme von Amel Bent (die ja, wie eingangs erwähnt, auf eine so gute Tontechnik gar nicht angewiesen gewesen wäre). Satter Gesamtsound, gute Bässe – Besucherherz, was willst Du mehr?
- Die Bühne und die Show
Ohne viel Schnickschnack kam die Bühne daher – weiße, beleuchtbare Treppe und weiße, beleuchtbare Podien für Keyboarder, Gitarristen, Drummer und Bassisten, damit hatte es sich (abgesehen von zwei Ventilatoren) schon. Wie in Frankreich des Öfteren der Fall, wurde viel Wert auf gutes (und buntes) Licht gelegt. Hier und da gab es Choreografien, die aber nie im Vordergrund standen – denn da stand glücklicherweise immer Amel Bent mit ihrem Charisma und ihrer Stimme. Und begeisterte die Zuschauer vom ersten Moment an. Warmlaufen? Fehlanzeige – es ging gleich richtig los:
- Die Songs
Mit “Je me sens bien“, einem Uptempo-Ohrwurm aus ihrem aktuellen Album “Où je vais” begann Amel Bent das Konzert und führte charmant und mit einer gehörigen Portion Witz durch knapp zwei Stunden Konzert. Dabei gab es Stücke aus allen drei Alben zu hören und zu sehen – zwischendrin noch eine Hommage an Michael Jackson und “I Gotta Feeling” von den Black Eyed Peas. Was allen Songs dieses Abends gemeinsam war, ist die Tatsache, dass sie um Längen besser als (die ja ohnehin schon gute) Albumversion daher kamen. Weil auf der Bühne eben nicht nur eine Frau mit grandioser Stimme stand, sondern jemand, der jeden einzelnen Song von den Zehen bis zu den Haarspitzen lebte. Und das übertrug sich prompt auf die Stimmung im Publikum – ein Begeisterungssturm jagte den nächsten. Es ist daher auch schwer, hier noch Songs als besondere Highlights hervorzuheben, da einfach alles spitze war. Neben ihren größten Hits von “Ma philosophie” über “Tu n’es plus là” bis “Où je vais” ragten aber insbesondere “Famille Décomposée” (hier wurde sie nur vom Keyboard begleitet, so dass ihre Stimme hier noch besser zur Geltung kam als im Rest des Konzerts), “Cette Idée là” (bombastisch gut, ging durch Mark und Bein), “Pardonnez-moi” (motivierte dazu, das erste Album wieder mal ganz zu hören) und der ihren Fans gewidmete unbetitelte, weil neue Schlussong (Emotion pur) ein wenig weiter heraus. Knapp zwei Stunden vergingen jedenfalls wie im Flug.
- Das Fazit
Wenn in einigen Foren zuvor die Rede davon war, dass Amel Bent im Norden Frankreichs ein weniger großer Star sei als im Süden, dann war das entweder eine Fehlinformation – oder Yutz ist das “kleine gallische Dorf” im Norden. Hier jedenfalls waren 5000 Menschen (auf so viele wurde die Zuschauerzahl jedenfalls von einem anwesenden Polizisten geschätzt) restlos begeistert – und man darf davon ausgehen, dass man beim Tourabschluss im Zénith in Paris den einen oder die andere aus dem Publikum wieder treffen wird. Denn wer Amel Bent nicht erlebt hat, hat etwas verpasst – und wer sie erlebt hat, will gleich wieder auf ein Konzert (das war von vielen Menschen im Anschluss so zu hören). Kurz und knapp: Eine überragend starke Performance – für mich mein bisher bestes Konzert überhaupt.
