Glückwunsch, Portugal!

von Matthias Pohlmann am 25. Mai 2010

Filipa Azevedo aus Portugal ist im Finale des Eurovision Song Contest 2010 in OsloDas erste Halbfinale des Eurovision Song Contests 2010 ist über die Bühne, zehn Finalisten sind gefunden (in der Reihenfolge, in der die Umschläge gezogen wurden): Bosnien-Herzegowina, Moldawien, Russland, Griechenland, Portugal, Weißrussland, Serbien, Belgien, Albanien und Island. Hervorzuheben ist dabei, dass insbesondere Moldawien, Albanien und Portugal ihre Teilnehmer “auf den Punkt fit” hatten und mit richtig starken Auftritten zu Punkten wussten, während die lettische Teilnehmerin Aisha – von u-kult.de zuvor ja besonders gelobt – einen schwarzen Tag erwischte und sich so die Finalteilnahme verbaute. 7 der 10 in der “Poll Of Polls” vorne gesehenen Beiträge sind damit im Finale dabei – von den zehn u-kult.de-Wunschfinalisten immerhin sechs.Das Moderatorentrio des Eurovision Song Contest 2010“Wichtig is´aufm Platz” ist eine alte Fußballerweisheit. Und hat natürlich in gewissem Sinne auch Gültigkeit für den Eurovision Song Contest. Da verschoben sich die Sympathien doch ein wenig während der 17 Auftritte – hier die Eindrücke aus dem Finale (Bilder dazu am Mittwoch an dieser Stelle).

Den Einstieg in den Eurovision Song Contest machte Moldawien – und Olia Tira zeigte, dass man mit einer starken stimmlichen Performance ein Lied durchaus aufwerten kann – jedenfalls blieb der Auftritt bis zum Ende in Erinnerung, das ist für den ersten Song normalerweise nicht so einfach – Peter Urban kommentierte meinte, das sei “solider Europop”. Richtig. Aber eben gut gesungen – und auf diese Weise verdient im Finale. Russland versuchte es in diesem Jahr so ziemlich mit dem Gegenteil der vergangenen Jahre: Nichts überproduziertes, sondern ein relativ schlicht gestrickter, wiewohl extrem dramatischer Song, wohltuend unaufgeregt live vorgetragen. Peter Nalitch ist nach wie vor nicht mein Favorit – aber der Auftritt war durchaus in Ordnung – auch das reichte fürs Finale. Hingegen zeigte der Beitrag aus Estland, dass manchmaHat es leider nicht geschafft - Kristina aus der Slowakeil auch der Kontext nicht ganz unwichtig ist – denn jedenfalls nach den ersten beiden Nummern begann mir Malcolm Lincoln relativ bald auf die Nerven zu gehen. Nicht als Person, aber das Lied. Die Slowakei begab sich mit ihrem Auftritt hingegen auf die Überholspur: Kristina wünschte ich mir plötzlich ins Finale, auch wenn das Konzept des Songs nach wie vor sehr an Ruslana erinnert. Gereicht hat es aber nicht. Ob knapp oder nicht, wird man erst nach dem Finale erfahren.

Zu Finnland schreibe ich besser nichts, das bleibt für mich völlig deplaziert – Europa sah das glücklicherweise anscheinend ähnlich. Die sympathische Lettin Aisha hingegen versemmelte am “Abend Aisha aus Lettland hatte nicht ihren besten Tagder Abende” einige Töne und schaffte es leider nicht, den sehr wichtigen Schlusston so kraftvoll wie in der zweiten Probe zu platzieren. Auch ingesamt war der Auftritt erstaunlich nervös, was sehr schade war. “Aisha auf der Suche nach den Tönen”, wie Peter Urban das Ganze kommentierte, war aber doch etwas zu hart nach meinem Dafürhalten. Schade, dass sie sich damit – wie mit ihren Wacklern in der 2. Generalprobe, die für die Jury entscheidend war – einen Finaleinzug verbaute.

Serbien mit Milan Stankovic war so ein seltsam nicht zu greifender Auftritt: “Irgendwas hat´s” – aber was genau, das ließ sich schwer greifen. Europa fand wohl auch etwas dran, jedenfalls kommt Milan am Samstag im Finale wieder zum Zug.  Bei Bosnien-Herzegowina zeigte sich wieder einmal die große Schwäche der heutigen Art des Eurovision SonMilan Stankovic aus Serbien - sang sich ins Finaleg Contests: Instrumente kommen vom Band – und so wirkte der Auftritt von Vukasin Brajics Gitarristen eben schlicht peinlich: Ein Playback-Gitarrensolo, dennoch reichte es überraschenderweise fürs Finale. Für die Polen galt, dass es ein leicht verstörender Auftritt war, Marcin Mrozinski aber, wenn er richtig los legt, durchaus in der Lage ist, die Halle mit seiner Stimme alleine zu füllen. Peter Urban konnte aber den ganzen Abend lang nicht der Versuchung widerstehen, auf dem Beitrag herum zu trampeln. Erstaunlich gut kam im “Halbplaybackumfeld” der Auftritt des Beitrags aus Belgien: Tom Dice machte seinen Songtitel “Me And My Guitar” auch zum Motto seiner Bühnenperformance: Er stand schlicht da und sang und spielte seine Gitarre (oder tat Tom Dice aus Belgien schaffte es auch ins Finale des Eurovision Song Contest 2010so). Wohltuend war das – und das Halbplayback war so gut austariert, dass es entgegen aller Befürchtungen keineswegs störte (ganz live wäre sicher dennoch besser gewesen). Ein Plus ist es auf jeden Fall, dass Tom Dice auch im Finale dabei sein wird.

Peter Urban muss Malta-Fan sein. Denn bereits vor dem Auftritt von Thea Garett verkündete er, was für eine starke Stimme diese Dame doch hätte – eine Stimme, die während des Beitrages aber dann einige Male im Instrumentalbrei versank. Da gab es – auch an diesem Abend – beim Song Contest schon viel stärkere Stimmen. Auch aus Malta. Finalwürdig war das nicht – Europa sah das ebenso. Das Energiebündel des Abends schlechthin kam an diesem Abend aus Albanien: Juliana Pasha legte einen Auftritt hin, der auch im Saal wahrnehmbar gut ankam und stellte ihre Monsterstimme unter Beweis – auch wenn sie bei ihren Proben sogar einen noch stärkeren Eindruck gemacht hatte. Wäre sie nicht ins Finale gekommen, ich hätte die Welt nicht mehr verstanden. Für Peter Urban kam Julianas Finaleinzug dennocEnergiebündel aus Albanien: Juliana Pasha - verdient im Finaleh überraschend. Giorgios Alkaios aus Griechenland erging es wiederum wie Thea Garrett – seine Stimme verlor sich mehrfach im Laufe des Auftritts, für das Finale reichte es  - leider – trotzdem. Auf den Punkt bereit zu sein, das zeigte Filipa Azevedo aus Portugal – so stark wie an diesem Abend habe ich sie noch nie zuvor gesehen. Der verdiente Finaleinzug war die Folge. Sie könnte zum “Dark Horse” avancieren – also zu jemandem, die im Finale überraschend abräumt und ziemlich weit vorne landet, wenn sie am Samstag nochmals einen solchen Auftritt auf die Bühne zaubert. Mazedonien versuchte es anschließend mit sehr leicht bekleideten Tänzerinnen (oder, um es mit Peter Urban zu sagen: Man versuchte alles, um von Song und Sänger Höchstverdient ins Finale eingezogen - Filipa Azevedo aus Portugalabzulenken). Das gelang anscheinend perfekt, denn im Finale wird der Song nicht zu hören sein. Weißrussland dachte sich wohl, dass der Song nicht genügend Schmalz bietet (unerklärlicherweise) und verstärkte das auf der Bühne noch durch das Bühnenbild um ein Vielfaches. Europa schien es zu mögen, die Schmalztöpfe werden uns auch um Finale “erfreuen”. Und die von Peter Urban über den grünen Klee gelobte Hera Björk aus Island bewies zwar, gut bei Stimme zu sein – beileibe aber nicht so gut wie beispielsweise Juliana Pasha. Fürs Finale reicht es leider dennoch.

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