Glückwunsch, Ukraine und Armenien!

von Matthias Pohlmann am 27. Mai 2010

Eva Rivas aus ArmenienAus dem zweiten Halbfinale gehen (in der gezogenen Reihenfolge) Georgien, die Ukraine, die Türkei, Israel, Irland, Zypern, Aserbaidschan, Rumänien, Armenien und Dänemark ins Finale. Insgesamt zeigte auch die Liveversion, dass das zweite Halbfinale das deutlich stärkere war. Persönliche Entdeckung des Abends war übrigens Alyosha aus der Ukraine, die neben Sofia Nizharadze aus Georgien den Auftritt des Abends hinlegte. Und entgegen mancher Umfrage erreichten beide das Finale – der Auftritt am Abend hat da sicher eine Rolle gespielt. Ein wenig mau kam die große Favoritin Safura aus Aserbaidschan daher, das wirkte doch arg “möchtegern” – fürs Finale reichte es dennoch. Besondere Erwähnung an dieser Stelle auch an InCulto aus Litauen, auch wenn diese das Finale leider verfehlten.

InCulto aus Litauen mit - ähm - InstrumentenDenn InCulto nahm das Halbplayback so auf die Schippe, wie sich das gehört – die Instrumente waren Plastikversionen. Der Start ins zweite Halbfinale war damit gelungen, auch wenn die Jungs aus Litauen gesanglich sicher nicht besonders weit vorne dabei waren. Bei diesem Stück war das aber nicht so wichtig – Europa war da anscheinend leider anderer Meinung. Eva Rivas aus Armenien warEva Rivas aus Armenienglücklicherweise deutlich besser drauf als in der zweiten Probe, stimmlich saß da alles, wenn auch manchmal etwas leise. Aber die Stimme war, ist und bleibt eine Gänsehautstimme – zum Glück ist sie auch am Samstag dabei. Und diese Haare… Und die Sandie-Shaw-Referenz – barfuß auf der Bühne. In ihrem Fall aber wohl eher wegen ihrer Körpergröße…

Harel Skaat aus Israel war besonders am Anfang arg nervös, hatte einen ziemlich guten Mittelteil, viel Lichtbombast, sonst aber nicht viel “Theater” auf der Bühne. Ein Auftritt nach dem Motto “gut, aber nicht grandios”. Im Finale hat er dann die Chance, mit hoffentlich weniger Nervosität eine noch bessere Im Schatten Chanees - NevergeenPerformance hinzulegen. Bei den Teilnehmern aus Dänemark hingegen gilt zunächst festzuhalten: Im Unterschied zur zweiten Probe konnte N’evergreen dieses Mal seinen Text. Auch war er nicht demotiviert, dafür überraschend nervös. Chanée steckte ihn stimmlich übrigens locker in die Tasche bei ihr dürften sich die Dänen für den Finaleinzug zu bedanken haben. So störte das Publikum anscheinend nicht einmal die spürbar fehlende Chemie zwischen den beiden.

Michael von der Heide aus der Schweiz ist ein sympathischer Typ. Ihm hätte ich einen etwas spektakuläreren AuftrittAnna Bergendahl aus Schweden - leider nicht im Finale gewünscht, denn mit diesem Musikstil ohne “Spektakel” ein Finaleinzug schwer würde, versteht sich von selbst. Anna Bergendahl aus Schweden war nach Eva Rivas die zweite Person des Abends, die mir mehrfach Gänsehaut bescherte. Nach wie vor ist mir ihre Gitarre zu groß, aber das soll hier nicht stören. Europa schien davon aber abgeschreckt – oder waren es die Passagen, an denen ihre Stimme hinter die Instrumente zurück fiel?. Safura, die große Favoritin ausSafura aus AserbaidschanAserbaidschan legte einen Auftritt hin, den man am Ehesten mit “Möchtegern” umschreiben kann. Die Gesten zu groß für ihr Charisma, der Song an einigen Stellen zu “groß” für ihre Stimme. Der Hype im Vorfeld war es hier anscheinend, der sie ins Finale spülte (oder ein deutlich überzeugenderer Auftritt in der “Generalprobe für die Jury”).

Alyosha aus der Ukraine hatte ich vor dem Contest nun überhaupt nicht auf derAlyosha aus der Ukraine - Hammerauftritt Rechnung. Der Auftritt am Abend änderte für mich alles – ich persönlich hätte sie plötzlich sehr gerne im Finale gesehen, Europa ging es anscheinend ähnlich. Und so bekommt die “schwerste Kost” des Abends (stilistisch fast das Gegenteil eines Eurovisionssongs) am Samstag eine zweite Chance, sich zu präsentieren. Und Songs dieses Kalibers hilft ein zweiter Auftritt gewiss – mit der richtigen Startposition sollte Alyosha im Finale auf der linken Hälfte des Scoreboards auftauchen.

Sieneke aus den Niederlanden - Sha la lie...Sieneke aus den Niederlanden. Nunja. Das Lied ist nach wie vor alles andere als mein Favorit. Aber klar ist auch: Der Auftritt war (fast) blitzsauber, für eine 18jährige kurz vor dem Friseurabschluss extrem souverän und auf seine Art – jawohl – durchaus sympathisch. Raabs Wunsch, sie im Finale zu sehen, ging dennoch leider nicht in Erfüllung. Leider deshalb, weil der Auftritt im Finale sicher ein Farbtupfer gewesen wäre.

Eine weitere Entdeckung des Abends kam … aus Rumänien, Paula Seling &Paula Seling aus RumänienOvi. Stimmlich gut, für eine Nummer dieses Genres musikalisch durchaus mit einigen interessanten Ideen und sehr gut präsentiert. Und auch wenn der Musikstil an sich nicht “meiner” ist – an dieser Stelle sage ich “zum Glück.

“Auffallen um jeden Preis” war wohl das Motto in Slowenien – die Volksmusik-Rock-Mischung bleibt für mich alles andere als attraktiv. Der Auftritt aber war blitzsauber, hier standen eindeutig Bühnenprofis da. Und hätten aus dieser Betrachtungsweise durchaus eine gewisse Beachtung verdient gehabt. Da der hatte wohl viele Glückskekse - Niamh Kavanagh aus IrlandMusikstil aber so weit von allem weg ist, das ich mag, fehlt mir persönlich der Song im Finale jedoch sicher nicht.

Niamh Kavanagh aus Irland hatte anschließend ein Heimspiel. Als Einzige des Abends wurde sie bereits nach wenigen Tönen von Szenenapplaus unterstützt – und das obwohl sie zwar ordentlich, aber keineswegs überragend sang. Unter den balladesken Auftritten war der irische eigentlich einer der schwächsten des Abends, dass Irland dennoch im Finale steht, ist wohl nur mit Niamh Kavanaghs Namen in der Eurovisionsszene zu erklären. Oder mit dem slowenischen Vorprogramm.

Es folgte wieder ein Eurodance-Stück. Miro aus Bulgarien zeigte dabei, was dem Schweizer Auftritt fehlte – ein druckvoller, einprägsamer Gesang. Nochmal an dieser Stelle: Das bedeutet nicht, dass der Schweizer Auftritt “schlecht” Die Jungs aus Zyperngewesen wäre – nur waren andere eben schlicht besser. Beispielsweise Bulgarien, das es dennoch nicht ins Finale schaffte.

Zypern war ein wenig das “Belgien des zweiten Halbfinales”, wenn auch nicht so zurückgenommen wie Tom Dice. Für diesen Song wäre weniger vielleicht sogar bei einem Eurovision Song Contest mehr gewesen – man weiß es nicht, im Finale sind die Jungs von Jon Lilygreen & The Islanders jedenfalls . Denn danach folgte ein Finale furioso. Zunächst Femminem aus Kroatien, die erstens Feminnem aus Kroatien - fehlen im Finale sehrzeigten, dass sie absolute Bühnenprofis sind, zweitens stimmlich einen Spitzenauftritt hinlegten und drittens eben nach wie vor unter den Balladen eine der stärksten im Gepäck nach Oslo hatten. Das musste doch fürs Finale reichen. Dachte ich. Und ich dachte leider falsch. Unter allen ausgeschiedenen Beiträgen tut es mir ehrlich gesagt um den kroatischen am Meisten leid. Gleiches dachte ichSofia Nizharadze aus Georgien - DER Auftritt des Abends von Georgien – und dieses Mal lag ich richtig. Stimmlich war Sofia Nizharadze mit “Shine” der Star des Abends. Mit einer an Cléopatre erinnernden Choreografie – und einer Sängerin, die ihre Bühnenerfahrung (unter anderem als “Julia” in der Moskauer Version von “Romeo et Juliette”) in die Waagschale warf und einen Monsterauftritt  hinlegte. Und zum Schluss rockten maNga aus der Türkei die Bühne. Die von Raab in “Unser Star für Oslo” der Ukraine zugeschriebenen Schneidbrenner kamen hier übrigens zum Einsatz. Mir war das deutlich zu viel – aber dass maNga im Finale steht, ist natürlich dennoch hochverdient.

Jetzt noch zwei Tage, dann kommt das große Finale.

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2 Responses to “Glückwunsch, Ukraine und Armenien!”

  1. DDH sagt:

    Ich bekomme Gänsehaut bei Didrik Solli-Tangen und bei Harel Skaat! Also gewinnen soll entweder Norwegen oder Israel. :)

  2. Matthias Pohlmann sagt:

    Nun, das ist wohl jedermenschs persönliche Vorliebe, wo man Gänsehaut bekommt. “Gegen” einen Sieg Israels oder Norwegens spricht aber ganz klar die Statistik – ihre Künstler haben dafür das falsche Geschlecht ;) Für einen Sieg von Lena spricht im Übrigen – neben der Unterstützung durch Johnny Logan, Vicky Leandros und Alexander Rybak – das, was Johnny Logan als Grund anführte: Es würde dem Song Contest das dringend benötigte Interesse der Musikindustrie zurück bringen.

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