Wunder gibt es immer wieder – Glückwunsch Lena!

von Matthias Pohlmann am 30. Mai 2010

Lena Meyer-LandrutEin spannendes Finale ist zu Ende – and the winner is….. Leeenaaaaaaa! Lena hat also den Eurovision Song Contest 2010 für Deutschland gewonnen – Herzlichen Glückwunsch hierzu. “Silber” geht an maNga aus der Türkei, “Bronze” an Paula Seling und Ovi aus Rumänien – auch diesen beiden herzliche Glückwünsche. Die rote Laterne hingegen wurde dieses Jahr an Josh aus Großbritannien vergeben. Einen kleinen Skandal gabs auch – während des spanischen Auftritts hatte sich ein Fan auf die Bühne “geschlichen” und an der Choreografie “teilgenommen”. Er musste von der Security von der Bühne gebracht werden – und Spanien durfte am Ende ein Weiteres Mal ran. Ob es Einfluss aufs Ergebnis hatte? Wir werden es wohl eher nie erfahren…

Drei Stunden voller Show, Sangeskünste und völlig unterschiedlichen Musikstilen liegen nun also hinter uns – hier die Eindrücke des Abends – wie üblich ganz subjektiv, wie sich das bei Musik auch empfiehlt. Denn über Geschmack kann man ja glücklicherweise nicht streiten.

  • Aserbaidschan: Safura hatte mit “Drip Drop” sicher einen der stärkeren Auftritte des Abends. In derSafura aus AserbaidschanStudioversion ganz klar hittauglich, auf der Bühne war´s im Semifinale eher nicht so der Hit. Im Finale hatte sie den undankbaren ersten Startplatz und zeigte sich durchaus verbessert, so war ihre Stimme druckvoller als noch im Semifinale. Dafür saß nicht jeder Ton zu 100 Prozent, ohne dass es völlig schief gewesen wäre – und für mich blieb irgendwie der Eindruck “Plastik” hängen. In Bezug auf die Choreografie, nicht in Bezug auf Safura. Am Ende wurde es Platz 5 - sicher eine Enttäuschung für Safura. Allerdings sah es lange so aus, als ob sie richtig “absaufen”, verglichen dazu ist der 5. Platz am Ende durchaus respektabel.Daniel Diges aus Spanien
  • Spanien: Als Starter für ein Land der so genannten “Big 4″ war dies für Daniel Diges mit seinem Song “Algo pequenito” (abgesehen von Proben natürlich) der erste Auftritt in der Telenorarena in Oslo.  Dabei lieferte er eine durchaus gute Vorstellung ab, konnte aber aus meiner Sicht damit die Schwächen des Songs damit nicht ausgleichen. Was seine Bühnenshow angeht, so hatte er das “Pech”, dass ihm bei seinem ersten Auftritt ein Fan dazwischenfunkte und daran teilnahm. Profi, wie Daniel Diges ist, merkte man das seiner Performance zu keinem Zeitpunkt an. Und er durfte ja am Ende nochmals ran und landete am Ende auf Rang 15.Didrik Solli-Tangen aus Norwegen
  • Norwegen: Das Gastgeberland, naturgemäß in der Halle besonders gefeiert, schickte mit Didrik Solli-Tangen und “My Heart Is Yours” einen wirklich erstklassigen Sänger und dazu sympathischen Typen ins Rennen – wie für seinen Vorgänger war es auch für ihn eine Premiere. Bleiben wir mal zunächst ganz diplomatisch an dieser Stelle und sagen es mit Vorjahressieger Alexander Rybak: “Er holt(e) das Beste aus dem Song heraus” – das ist wahr. Dass man mit einem solchen Song den “Titel verteidigen” kann, hielt ich für von Anfang an für ausgeschlossen (und wenn, dann nur vom letzten Startplatz aus). Kleinere Ansätze von Heiserkeit am Anfang sorgten glücklicherweise nicht dafür, dass Didrik im Laufe des Abends ins Straucheln kam. Stimmlich einer der besten Männer des Abends. Und am Ende ergab es Platz 20 – dahin gehörte das Lied auch, nicht aber der Sänger.Sunstroke Project mit Olia Tira (im Bild)
  • Moldawien: Das SunStroke Project & Olia Tira waren mit “Runaway” etwas später dran als im ersten Halbfinale, aber dennoch war es eine Art von “Startplatz 1″ – sie boten nämlich das erste – und gewiss nicht beste – Eurodance-Stück des Abends dar. Stimmlich war Olia Tira im Semifinale nichts vorzuwerfen, die Bühnenshow und der Gesamtauftritt der Gruppe war und ist – öhm – gewöhnungsbedürftig und im Finale kam dazu, dass Olia am Anfang nicht ganz so stark war wie noch vier Tage zuvor. Man hatte auch permanent das Gefühl, dass sie 15 Jahre zu spät dran waren, um beim Contest zu reüssieren – am Ende wurde aus dieser Mischung Platz 22.John Lillygreen and The Islanders
  • Zypern: Hatten die Jungs von Jon Lilygreen & The Islanders mit ihrem Song “Life Looks Better in Spring” in ihrem Halbfinale (jedenfalls in Bezug auf Stimmen durch Anrufer) noch den Vorteil eines ziemlich späten Startplatzes, so kehrte sich das dieses Mal doppelt um: Absolut gesehen waren sie sehr früh dran – und auch vor der (stilistisch) direkten Konkurrenz aus Belgien. Zu ihrem Auftritt gibt es ansonsten wenig anzumerken, außer dass er wirklich gut war. Den direkten Vergleich verloren sie deutlichst – und erreichten insgesamt Platz 21.Vukasin Brajic
  • Bosnien-Herzegowina: Einer der überraschendsten Finalisten für mich war Vukasin Brajic mit “Thunder and Lightning” und seinem auch im Finale peinlichen E-Gitarren-Playback-Solo. Ok, nicht seinem, sondern dem eines anderen auf der Bühne. Peinlich war´s dennoch und für mich – wie aber auch schon im Halbfinale – ein Favorit für eher die hinteren Plätze, obwohl es ein halbwegs ordentlicher Rocksong war. So war ich sehr gespannt auf die Endabrechnung – und die ergab für die Bosnier einen Platz 17.Tom Dice
  • Belgien: Ob es wirklich die Stimmen der Jurys waren, die Tom Dice mit “Me And My Guitar” ins Finale spülten, wird erst im Laufe der Nacht geklärt. Meine Hoffnung war und ist zum Zeitpunkt des Entstehen des Artikels immer noch, dass er auch bei den Telefonstimmen nicht allzu weit hinten lag. Auch im Finale blieb er bei seinem “Bühnenthema” – dem Songtitel – und gewann damit den Vergleich mit Zypern klar, was insgesamt einen sensationellen sechsten Platz bedeutete.
  • Serbien: “Anders zu sein” ist das, was MilanMilan StankovicStankovic am Liebsten über sich lesen will. Das war er auch im Finale mit “Ovo je Balkan” und hatte das Glück, mit seinem Song zwar relativ früh zu kommen, aber auch in gebührendem Abstand zu irgendwelchen spektakulären Bühnenshows. Einen durchaus eingängigen Song und eine Bühnenperformance ohne Fehl und Tadel, die aber dennoch nicht “meine” bleibt, kann man ihm durchaus attestieren. Was man ihm nicht absprechen kann, ist übrigen auch, dass er sichtlich Spaß an dem hat, was er tut. Alles zusammen ergab am Ende Platz 12 – ungefähr da gehörte der Song an dem Abend auch hin.
  • Weißrussland: Mag sein, dass ich einfach der falsche3+2 Ansprechpartner für diese Art von Musik bin. Andererseits aber bekenne ich mich freimütig dazu, Balladen zu mögen – “Butterflies” von 3+2 bleibt für mich ein rotes Tuch. Ebenso die diesen kitschigen Song extrem kitschige Bühnen”show”. Für Europa schien das glücklicherweise auch deutlich zu viel zu sein. Und am Ende belegten die Weißrussen so Rang 24.
  • Irland: Für mich befanden wir uns hier gerade mitten in der Schwächephase des Finales. Niamh KavanaghNiamh Kavanaghmochte ich 1993 als Siegerin richtig gerne, mit “It´s For You” passte sie aber aus meiner Sicht nicht mehr so recht in den Contest. Dass sie nicht punktlos aus Oslo heimfahren würde, war eigentlich schon zuvor klar, denn in (fast) jeder Jury Europas sitzt ein ehemaliger Teilnehmer des Contests und die “vergessen” andere ehemalige Teilnehmer gewiss nicht. Die spannende erste Frage war: Wird sie im Unterschied zum Halbfinale dieses Mal den Schlusston aussingen? Die Antwort darauf ist: Mehr als im Semifinale, aber wieder nicht ganz. Und die zweite spannende Frage: Wird sie von den Jurys etwa extrem nach oben gespült? Bei Platz 23 am Ende ist die Antwort darauf glücklicherweise nein.
  • Griechenland: Giorgos Alkaios & Friends hatten im Vergleich zum Halfbinale “Opa” bei der Bühnenshow nochGiorgos Alkaios and Friends eine Schippe drauf gelegt – und ließen jetzt auch die Trommeln auf der Bühne Feuer speien. Ansonsten hatten sie natürlich den Vorteil, dass jeder ihren Song kannte – immerhin ist der griechische Beitrag seit Jahren genau diesem Strickmuster entsprechend: Ein wenig Ricky Martin, ein wenig Sirtaki und viel Getanze auf der Bühne zu einer eingängigen Melodie. Und solange das von Europa nicht mit dem letzten Platz bestraft wird, wird sich daran wohl auch wenig ändern – dieses mal war es Platz 8, also 17 Plätze zu hoch für die Hoffnung auf eine Änderung im kommenden Jahr.
  • Großbritannien: “Sie sind wieder da” – so kommentierte Harald Schmidt einst das Comeback von Modern Talking.Josh Und so kann man auch den englischen Beitrag ankündigen, denn damit waren Stock-Aitken-Waterman wieder da – nur ohne Aitken. In den 1980ern für solch “großartige” Künstler wie Rick Astley verantwortlich, schickten sie dieses Mal Rick Astley- sorry, Josh – ins Rennen und dem Song “That Sounds Good To Me“. “No, it doesn´t” hätte man da trotz gesanglich weitgehend sauberer Leistung gerne geantwortet – und Europa bestrafte Song, nicht Sänger,  mit dem letzten Rang am Ende.
  • Georgien: Phoenix aus der Asche war ein wenig dasCoup de Coeur - Sofia NizharadzeThema im Semifinale für Sofia Nizharadze und “Shine“. Von vielen völlig abgeschrieben erreichte sie nach einem Monsterauftritt völlig verdient das Finale. Und interessanterweise schoss sie in einigen Umfragen danach bis ins Favoritenfeld. Auch das vollkommen verdient. Im Finale legte sie erneut einen Wahnsinnsauftritt hin, war dieses Mal aber deutlich früher dran. Würde das für die Top 10 reichen? Stimmlich verdient wäre das sowieso. Nun, am Ende war es Platz 9 – also Top 10 – Glückwunsch.
  • Türkei: Im zweiten Halbfinale hatten die Türken denmaNga - Zweitergroßen Vorteil des allerletzten Startplatzes. Wenn man dann die Bühne so rockt (auch wenn´s für mich etwas übertrieben war), dann ist man sicher im Finale, denn das bleibt zwangsläufig im Gedächtnis. maNga rockten mit “We Could Be The Same” auch im Finale die Bühne – und wieder waren die Schneidbrenner mehr als nur etwas übertrieben. Nur war es dieses Mal eben “mittendrin” im Contest – und am Ende kam so ein 2. Platz raus, coole Sache!.
  • Albanien: Von vielen als eine der ÜberraschungenJuliana Pashaangesichts ihres Finaleinzugs gewertet, stand Juliana Pasha mit “It´s All About You” dieses Mal in direkter Konkurrenz zum direkt folgenden isländischen Beitrag. Besseres Lied, bessere Stimme, bessere Bühnenperformance = bessere Platzierung? Das war die spannende Frage und es kam so, wenn auch knapp. 62 Punkte bedeuteten Platz 16 und damit drei Plätze besser als Island.
  • Island: Die erwähnte direkte Konkurrenz kam also direkt danach Hera Björk mit “Je Ne Sais Quoi“. ObHera Björkmeine Vermutung, sie sei dank der Westjurys und des letzten Startplatzes überhaupt nur ins Finale gekommen, der Wahrheit entspricht, wird sich im Laufe der Nacht klären. Dieses Mal war jedenfalls nicht der letzte Platz Schuld am Abschneiden und ihre Platzierung am Ende war die Nummer 19, glücklicherweise hinter Albanien.
  • Ukraine: Eine der persönlichen Entdeckungen desAlyoshazweiten Halbfinales war Alyosha mit “Sweet People“, dem wohl anspruchsvollsten Lied der letzen Jahre beim Eurovision Song Contest. Also hieß es: Doppelt Daumen drücken. Zuerst, dass sie dieses schwere Lied auch im Finale perfekt präsentieren würde – hier hat das Daumen drücken geholfen – es war erneut ein beeindruckender Auftritt. Und dann für eine Belohnung für den Mut, einen solchen Song zum Eurovision Song Contest zu schicken, also eine gute Platzierung. Hier hat das Daumen drücken dann wieder geholfen, denn am Ende wurde es Platz 10. Sicher mehr, als ihr viele zugetraut hatten. GLÜCKWUNSCH!
  • Frankreich: In den letzten Tagen vor dem FinaleJessy Matadorwurde Jessy Matador mit “Allez Ola Olé” plötzlich zum Geheimfavoriten auf den Gesamtsieg. Auch beim Kollegen Meiländer war der Song ja sehr gut angekommen – die Frage war also, bleibt es beim “geheim” oder reicht es für ganz vorne? Die Bühnenperformance war jedenfalls durchaus mitreißend – und am Ende gab es mit Platz 12 sicher eine deutlich höhere Platzierung als vor dem Contest viele (auch in Frankreich) gedacht hätten und glücklicherweise keinen höheren Platz als für Patricia Kaas im vergangenen Jahr.
  • Rumänien: In gewisser Weise hatten Paula Seling &Paula Seling (mit Ovi) Ovi mit “Playing With Fire” dieses Mal den letzten Startplatz – denn es war der letzte (mehr oder weniger) Eurodance-Song des Abends. Würde das für eine gute Platzierung reichen? Oder würde die Tatsache, direkt nach Frankreichs Stimmungshit auftreten zu müssen, eher schaden? Die Bühnenperformance der Rumänen war jedenfalls wie schon im Semifinale topp – ob sie sich mehr als den am Ende erreichten dritten Platz erhofft hatten, ist kaum vorstellbar – Glückwunsch dazu!.
  • Russland: Peter Nilitch & Friends spalteten mitPeter Nalitch (and Friends)ihrem Lied “Lost And Forgotten” die Eurovisionsfans. Die einen fanden den Song von Anfang an schrecklich, die anderen sahen die von Nilitch transportierte Ironie. Nach zwei eher “tobenden” Bühnenperformances jedenfalls war Peter Nilitch vom Auftreten her auch im Finale wohltuend unaufgeregt, sang perfekt und ersang sich damit Rang 11 – durchaus in Ordnung.
  • Armenien: Jetzt wurde es langsam heiß – eine derEva Rivas großen Favoritinnen (für die u-kult.de-Redaktion sogar die) Favoritin des Abends betrat die Bühne: Eva Rivas sang und lebte “Apricot Stone“. Erste Frage, die zu beantworten war: Ist sie in Form? Antwort: Aber Hallo! Und wie!. Zweite Frage: Reicht es für den Spitzenplatz? Oder knapp nicht? Oder fällt sie (eine/n Favoriten/in) trifft es ja in jedem Jahr) hinten runter? Nun runtergefallen ist sie jedenfalls nicht – am Ende war es Platz 7 – also an der Untergrenze der Erwartungen, aber eben nicht darunter.
  • Deutschland: Da war sie also, “unsere” Lena.Lena rockt OsloAufdem von der deutschen Delegation selbst ausgesuchten Startplatz 22 mit “Satellite“. Mitfavoritin. Lange ist es her, dass man das über einen deutschen Beitrag lesen durfte. Wie weit nach oben würde es denn nun gehen? Top 10? oder gar Top 5? Ihr Auftritt jedenfalls war Spitzenklasse, die Halle tobte – just perfect. Nach den ersten fünf abstimmenden Ländern war jedenfalls klar, dass es mit dem Sieg was werden könnte – Punkte aus jedem Land – und am Ende war es Platz 1. Wahnsinn! Unglaublich!
  • Portugal: Nach Lena war dann mit Filipa AzevedoFilipa Azevedound “Ha dias assim” wieder Balladenzeit (und bliebt es bis zum Ende). Im Halbfinale war es insbesondere Filipas stimmliche Performance, die ihr den Finaleinzug einbrachte, von den anschließenden Proben wurde häufig von stimmlichen Unsicherheiten berichtet – im Finale dann war ihr Auftritt wieder extrem gut. Mit sichtlich mehr Selbstbewusstsein und mehr “Spielen mit der Kamera” schmetterte sie ihre Ballade erneut in beeindruckender Manier. Und damit schaffte sie in der Endabrechnung Rang 18, leider deutlich zu tief für eine der besten Balladen des Abends.
  • Israel: Den vorletzten Slot des Abends belegte mitHarel SkaatHarel Skaat und “Milim” wieder einer der Favoriten. Auch wenn mir diese Stellung nie ganz verständlich war (balladenseitig gab es wahrlich deutlich bessere Lieder an diesem Abend – und auch weniger überzeichnete Auftritte), als “ok” kann man den Song durchaus bezeichnen. Würde Europa auch “ok” sagen – oder würde es deutlich mehr werden? Die Antwort steckt in der Platzierung und die ist Nr. 14 – die Top 10 doch klar verfehlt.
  • Dänemark: Fast schon unverschämtes GlückChanee und Nevergreenbedeutete die Auslosung für die beiden Dänen (die sich im Übrigen überhaupt nicht riechen können) Chanée & N’evergreen. Mit ihrem aus vielen 1980er-Lieder zusammengeklauten Song “A Moment Like This” hatten sie den Schlussakkord der Show bilden sollen und insofern war ein vorderer Starplatz ja eigentlich eh schon garantiert. Doch da machte Spanien ja, wie erwähnt, einen Strich durch die Rechnung. Oder besser: Ein verrückter Fan. Die Frage war nur: Wird es dennoch eventuell so eng, dass man damit Erster wird? Wurde es nicht – es wurde Platz 4. No comment.
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